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23rd August
2010
written by DedalusRoot

Kaum habe ich meinem Blogeintrag für@MadlenerBs „31 Tage – 31 Platten“ (Tag 28 26, Herrschaften!) abgegeben, entdecke ich bei Mme Cronenburg und Mr. Schreibtäter zwei großartige Blogeinträge zur aktuellen Aktion Buch der Bücher der Schiller Buchhandlung. Und obwohl mein Bücherregal sich gerade nicht in greifbarer Nähe befindet, beginnen meine Gedanken zu schweifen und ich erinnere an die wundervollen Geschichten und Bücher, die mich über die letzten Jahrzehnte hinweg begleitet haben.

Natürlich gibt es kein “Buch der Bücher”, das ich unter all den gelesenen besonders hervorheben könnte, weil jedes Buch, das in diese Kategorie fiele, für mich unweigerlich mit einer Geschichte verbunden ist und mich auf die ein oder andere Art nachhaltig geprägt hat. Undenkbar einem davon den Vorzug gegenüber allen anderen zu geben!

Trotzdem denke ich unwillkürlich an meine ersten Bücher zurück: “Der kleine Clown Pippo” und die “Birne”-Geschichten von Günter Herburger, die ich im Verlauf meiner Grundschulzeit (war das so?) geschenkt bekam.  Später schickte mir meine Tante liebevoll gezeichnete Bände mit griechischen Sagen und mein Vater stibitzte mir meine mit meinem spärlichen Taschengeld mühsam zusammengekauften Asterix-Bände, um sie heimlich selbst zu lesen, während ich mich aus dem Regal meiner Großmutter mit Karl May und Ephraim Kishon versorgte. Einmal, in einem Anflug von Langeweile und jugendlicher Neugierde, versuchte ich mich sogar an Anne Golons Angélique-Romanen, nur festzustellen, dass die bebilderten Buchumschläge deutlicher reizvoller waren, als die darin enthaltenen Geschichten…

Vom meinem ersten richtigen Taschengeld kaufte ich mir 1991 oder ’92 das erste “richtige” Buch: Tolkiens Der Herr der Ringe in der Übersetzung von Maragret Carroux war damals in einer neuen, rot gebundenen Ausgabe mit traumhaften Illustrationen von Anke Doberauer erschienen und sollte meine erste große Leidenschaft in punkto Büchern markieren. Ich verschlang die 1177 Seiten in Rekordzeit, indem ich das Buch über die nächsten Tage einfach nicht mehr aus den Händen legte. Ich las auf dem Schulweg im Bus, ich las während des Unterrichts unter meinem Tisch und las sogar beim Mittagessen, während ich Fischstäbchen und Spinat in mich hineinschaufelte.

Mit Beginn der Mittelstufe war ich auf dem besten Weg in meine langhaarige, schwermütige Phase und griff zu Edgar Allan Poes The Fall of the House of Usher und anderen Kurzgeschichten, bis ich schließlich bei H.P. Lovecraft und Baudelaires Fleurs du Mal landete. Später und mit Gott sei Dank wieder kürzeren Haaren entdeckte ich dann die Klassiker der Science Fiction (Bradbury, Lem, Philip K. Dick) und des Cyberpunk (Gibson, Stephenson, Spinrad) für mich.

Als Heranwachsender entdeckte ich Autoren abseits der phantastischen Literatur und der Science Fiction und verschlang, die Pflichtlektüren meiner Lehrer ignorierend, Bukowski, Djian, Kerouac und natürlich auch Burroughs und den gr0ßen Hunter S. Thompson. Ich rächte mich bei meinem Vater für den schändlichen Diebstahl meiner Asterix-Hefte und stahl ihm Mailers “Die Nackten und die Toten”, während meine Tante mich weiterhin mit griechischer Literatur von Kazantzakis bis Kavafis versorgte. Viel später erst machte ich mir die Mühe die damaligen Pflichtlektüren meiner Schulzeit zu lesen und musste feststellen, dass ich meinen damaligen Lehrern Unrecht getan hatte, aber Pflicht und Lektüre konnten für mich damals nicht miteinander einhergehen!

Viele weitere Bücher könnte ich noch nennen, aber um den Rahmen nicht zu sprengen, möchte ich an dieser Stelle nur noch einige Leseempfehlungen aussprechen:

Poppy Z. Brite, Lost Souls

William S. Burroughs, Naked Lunch

Charles Bukowski, Fuck Machine

Philippe Djian, Betty Blue

Jeffrey Eugenides, Middlesex

Neil Gaiman, American Gods

William Gibson, Pattern Recognition

Nikos Kazantzakis, Alexis Sorbas

J. R. Moehringer, Tender Bar

Otfried Preußler, Krabat

Hunter S. Thompson, Fear and Loathing in Las Vegas

Oscar Wilde, Complete Fairy Tales of Oscar Wilde

Robert Anton Wilson, Illuminatus

Nachtrag: Wie es der Zufall will, habe ich noch einen Rest Chili vom Wochenende, den ich mir nun trotz der schwülen Hitze als kleine Hommage an Djians “37°2 le matinwarm machen werde, parce que “je peux manger un Chili par n’importe quel temps, même si la sueur coule dans mon assiette, le Chili et moi on est comme les deux doigts de la main.” Ein Bier sollte man sich dazu nach getaner Arbeit auch gönnen…

, die vielleicht ein wenig abseits der getretenen Pfade liegen, und die ich trotzdem nicht missen möchte:


2 Comments

  1. 23/08/2010

    Ach ja, Djian hätte ich auch in meine Liste aufnehmen können. Und natürlich Kazantzakis. “Freiheit oder Tod” hat mir genauso gut gefallen wie der Sorbas.
    Schon interessant, wie viele Gemeinsamkeiten es da gibt, obwohl ich ja ein paar Jährchen älter bin.

  2. Dedalus Root
    23/08/2010

    Solche Listen haben ja meist keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Allgemeingültigkeit, sondern entspringen dem Moment… Bei einem zweiten Blick ins Bücherregal hätte ich wahrscheinlich 10 völlig andere Titel gewählt. Das Schöne an guten Bücher ist, dass sie zeitlos sind… was machen da ein paar Jährchen?
    Ich werde mich demnächst an Kazantzakis’ “Griechische Passion” versuchen, allerdings ist der Erfolg bei eingerosteten Griechischkenntnissen fraglich. 🙂

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