Main image
24th October
2010
written by DedalusRoot

Nächste Woche, am 1. November und somit pünktlich zur Zeitumstellung, wenn die Tage noch dunkler und kürzer werden, beginnt der National Novel Writing Month, kurz NaNoWriMo.

Das ist, zugegeben, eine der dümmsten Abkürzungen, die ich jemals lesen durfte und basiert auf einer Schnapsidee, die einige Wirrköpfe und Schreiberlinge vor einigen Jahren in San Francisco hatten. Nichtsdestotrotz lässt mich die Idee irgendwie nicht mehr los. Das Prinzip hinter dieser Aktion ist simpel: Es geht, wie der Name schon sagt, schlicht und einfach darum innerhalb eines Monats einen Roman von 50.000 Worten zu schreiben. Punkt. Es zählt weder die Sprache, noch die Qualität des Geschriebenen. Einzig und allein der Word Count ist das, was zählt.

Das klingt auf wunderbare Weise hirnrissig und verrückt und ist natürlich absoluter Unfug…

50.000 Worte in einem Monat entsprechen einem täglichen Pensum von ungefähr 1.700 Worten. Das sind knapp 3 DINA4-Seiten in Courier New, Punktgröße 11 mit 1,5fachem Zeilenabstand. Und zwar jeden einzelnen Tag ohne eine einzige Pause. Wer sich einen Tag Pause gönnt, sieht sich am folgenden Tag mit dem doppelten Pensum von dann schon 6 Seiten konfrontiert. Für einen Menschen wie mich, der achteinhalb Stunden des Tages einer Tätigkeit nachgeht, die seine Miete sichert und in seiner Freizeit schreibt, eigentlich nicht machbar. Der NanoWriMo ist damit das literarische Äquivalent eines Halbmarathons, an dem übergewichtige Managertypen und Bürohocker teilnehmen, um sich selbst etwas zu beweisen.

Warum also sollte ich mitmachen? 50.000 Worte werde ich wahrscheinlich noch nicht einmal mit höchster Disziplin erreichen, und das, was in diesen 30 Tagen entsteht, wird meilenweit davon entfernt sein ein Roman zu sein… sollte ich es aber auch nur annähernd schaffen, das erforderliche Pensum aufrecht zu erhalten, werde ich am Ende des Monats mehr geschrieben haben als in den vergangenen sechs Monaten. Des Weiteren werde regelmäßig geschrieben haben und somit den größten Vorwurf, den ich mir derzeit fast täglich mache, aus dem Weg geräumt haben.

Ich gestehe, dass ich nicht die geringste Ahnung habe, wie es hauptberufliche Schreiberlinge schaffen, Ihren inneren Schweinehund zu besiegen und sich täglich Ihrer Schreiberei zu widmen, aber ich für meinen Teil bin wirklich gut darin Dinge aufzuschieben. Morgen ist schließlich auch noch ein Tag… Seit Jahren beginne ich morgen damit Sport zu treiben, meine Steuererklärung zu machen und endlich reglmäßig zu schreiben. Meiner Logik folgend habe ich auch ein ein Recht darauf zu prokrastinieren. Schließlich bin ich berufstätig und gehe achteinhalb Stunden am Tag einem Beruf nach und habe damit mein eigentliches Soll erfüllt. Da ist es doch nur recht und gut, dass ich nach getanem Tagwerk die Seele baumeln lasse, die Füße hochlege und mich bei einer Tasse Earl Grey ausruhe, oder?
Und den Roman, der in der Schublade meines Sekretärs liegt, den schreib’ ich auch irgendwann..
Mal ehrlich: Im Zweifelsfall wird ihm in der Schublade irgendwann so langweilig, dass er anfängt sich selbst zu schreiben, bevor ich damit beginne. Ich kann also abwarten bis Zeit, Geld und jede Menge Inspiration vom Himmel fallen… oder ich könnte endlich loslegen.

Bei genauerer Betrachtung werde ich in absehbarerer niemals in der Lage sein, etwas anderes zu tun als hauptberuflich zu arbeiten und nebenher zu schreiben. Natürlich könnte ich auf Tante Ernas Ableben und die fette Erbschaft kalkulieren, aber wahrscheinlich wird das in absehbarer Zeit nicht geschehen, und selbst wenn es geschähe, wäre ich eher die Sorte Mensch, die das Erbe mit Rotwein, Absinth und langen Nächten durchbringt, ohne einen einzigen Finger zu rühren. Warum? Weil ich faul, genügsam und zu allem Überfluss auch noch feige bin… weil vieles von dem was ich schreibe in meinen Augen nichts taugt, und ich auf den Tag warte an dem die Worte und die Inspiration wie Platzregen von Himmel fallen, was nach meinem Kenntnisstand nicht geschehen wird. Es sei denn ich fange an zu schreiben…

Warum also nicht jetzt?

Natürlich hat der NaNoWriMo nicht den Anspruch Meisterwerke hervorzubringen. Es geht lediglich darum den inneren Schweinehund zu besiegen und einfach zu schreiben, vielleicht auch ein bißchen mehr als sonst zu spinnen und Spaß daran zu haben, statt stundenlang an einzelnen Sätzen zu feilen und darüber das Gesamtbild zu vergessen, weil die Worte nicht gehorchen wollen… Es geht darum alle Einwände beiseite zu schieben und endlich anzufangen.

Das ist übrigens auch der Grund, warum ich mein Vorhaben an dieser Stelle so laut in der Äther plärre: Still und leise geäusserte Vorsätze lassen sich viel zu leicht revidieren.

Und weil ich so gerne andere mit meinen Ideen infiziere, habe ich an dieser Stelle noch ein Paar Tipps und Informationen zum NaNoWriMo gesammelt. Enjoy!

NaNoWriMo

Make Your NaNoWriMo Experience Count (4 Excellent Posts)

Write a Novel in a Month

Best Tweets for Writers (week ending 10/15/10)

NaNoWriMo – Creating an Outline

Nachtrag: Ich werde versuchen hier im Blog mehr oder weniger regelmäßig Bericht zu erstatten, wobei ich davon ausgehe, dass ich größtenteils fluchen, lamentieren und mit den Zähnen knirschen werde.
Aber die Vorfreude ist fast so schön wie Weihnachten!


5 Comments

  1. […] This post was mentioned on Twitter by Dedalus Root, Dedalus Root. Dedalus Root said: Mein Beitrag zum "National Novel Writing Month" – Dedalus Root http://t.co/2ip4WJW #NaNoWriMo #Writing […]

  2. 25/10/2010

    Du willst wissen, wie man das hauptberuflich hinbekommt, ständig zu schreiben?
    Ganz einfach. Mit gnadenloser Faulheit. Ich bin z.B. so faul, dass ich am liebsten das tue, was mir am meisten Spaß macht: Schreiben.

  3. Dedalus Root
    25/10/2010

    Und wie, liebe Petra, macht man das, wenn man hauptberuflich etwas völlig anderes macht als schreiben? Doch auf Tante Ernas Erbe warten? 😉
    Dann muss ich am Ende noch auf ihre Ratschläge hören…

  4. 25/10/2010

    Nein – ich hab ja auch einen Brotberuf “nebenbei” 😉
    Kleiner Tipp: Nicht zu viel von sich verlangen, aber genau das üben, was der NaNoWriMo lehrt: Regelmäßigkeit.
    Stell dir vor, du würdest jeden Tag nur eine einzige Seite schreiben. An einem festen Platz (wo du nicht erst mühsam alles hinräumen musst), als festes Ritual (so wie andere eine rauchen oder Musik hören). Anfangs ist das vielleicht mühsam, aber irgendwann wird es zur Oase und dann will man das immer und immer mehr.
    Mit dieser Methode hätte dein MS am Ende eines Jahres fette 365 Seiten. Ist das nichts?

  5. Dedalus Root
    25/10/2010

    Danke für die Tipps! Das ist genau das, was ich versuche mir beizubringen: “Creating a habit”. 🙂

Leave a Reply

Warnung!

Widerstand

l