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16th November
2010
written by DedalusRoot

… oder: Ein kleiner Rant zur Abendstund’.

Autor, Werber und Internetexperte Sascha Lobo hat vorhin eine kleine Aktion gestartet und folgt auf Wunsch jedem Twitteranten, der einen Tweet mit #followback an @saschalobo schickt:

Aktion Followback: Wer sich von mir unterverfolgt fühlt, sagt per Tweet bescheid und wird zurückverfolgt. #followback
@saschalobo
Sascha Lobo

Zugegeben, ein bißchen feucht geworden bin ich bei dem Gedanken, dass Sascha Lobo mir folgen könnte… Mit einem einzelnen Tweet könnte ich meinen Mehrwert auf Twitter verdoppeln, ach was sag’ ich, verdreifachen! Alle meine Freunde würden sehen, was ich für einen toller Hecht bin, dem immerhin Sascha Lobo folgt. Im Handumdrehen hätte ich Tausende von neuen Followern, die selbstverständlich auch mein Blog lesen. Ich könnte endlich Werbung schalten, richtig dick absahnen und zum hauptberuflichen Faulancer avancieren… yeah!

Moment, falscher Text…

Jetzt mal im Ernst: Ich freu’ mich wirklich über jeden einzelnen Follower auf Twitter ( Marketingfuzzis und die restlichen Reiter der Apokalypse mal ausgenommen). Da ist es zunächst einmal egal, ob das Lieschen Müller, MC Dingsbumms oder Steve Jobs höchstpersönlich ist, solange dieser Jemand ein tatsächliches Interesse an dem hat, was ich zu sagen habe. Unabhängig davon hat natürlich nicht jeder Follower denselben Wert, wenn ich ein Interesse daran habe, dass das was ich da so in den Äther blase, möglichst viele Menschen erreicht. Lieschen Müller mit Ihren 14 Followern, von denen zwei ihr Hund und ihre Katze sind, ist natürlich nicht vergleichbar mit Premium-Zwitscheren mit über 2.000 Followern… Ist so ein Zwitscherer dann auch noch Internetexperte, Werbeträger und 1A-Spitzenblogger, sprich: ein toller Hecht, vertrölffacht sich sein Wert sofort. So einen Premium-Zwitscherer will man natürlich als Follower haben.

Interessanterweise kommt jetzt ein weiterer Faktor ins Spiel. Denn nur, weil Lieschen Müller mir folgt, heißt das noch lange nicht, dass sie meine Tweets liest, kommentiert oder retweetet… das kann zum einen daran liegen, dass ich nur langweiliges Zeug von mir gebe und zum anderen aber auch an der Tatsache, dass Follower und Facebook-Freunde inzwischen gesammelt werden wie Panini-Bildchen. Warum? Weil wir mit dem was wir zu sagen haben, egal ob es Werbung, Nerdscheiß oder politisch motiviertes Gezwitscher ist, möglichst viele Menschen erreichen wollen. Um Geld zu verdienen, die gute Sache zu promoten… was auch immer! Also folgt mir Lieschen Müller vielleicht nur, damit ich im Gegenzug ihr folge. Schaue ich mir Lieschen Müllers (die mir langsam aber sicher anfängt mir auf den Senkel zu gehen…) Profil an, stelle ich fest, dass wir absolut keine gemeinsamen Interessen haben: Sie verkauft Heizdecken und Filzpantoffeln übers Internet, und ich.. hmm… gute Frage eigentlich.

Zurück zu Frau Müller: Ich habe drei Möglichkeiten: Entweder ich folge der Dame, freue mich über den neuen Follower, nehme Filzpantoffel-Tweets in Kauf  und hoffe ab und zu einen Retweet zu bekommen, oder ich ignoriere sie und warte bis sie von allein verschwindet. Schön an dieser Variante sind die lustig schwankenden Followerzahlen, ohne dass man jemanden vermisst. Option No. 3 ist die radikalste, aber nachhaltigste Methode: Lieschen Müller wird geblockt und taucht nie wieder in der Timeline auf. Was aber habe ich davon, wenn Lieschen Müller, inzwischen anscheinend zum Marketingfuzzi mutiert, mir folgt? Sie liest meine Tweets nicht, kommentiert nicht und Retweets bekomme ich auch keine. Sie ist lediglich eine kleine Verbesserung meiner Followerstatistik.

Stellen wir uns einfach mal vor, alle Twitterer würden die oben genannten Reiter der Apokalypse blocken, entfolgen und schlichtweg ignorieren und stattdessen jenen Leuten folgen, an deren Tweets sie echtes Interesse haben. Wahrscheinlich hätten wir alle deutlich niedrigere Followerzahlen. Es würde vielleicht aber auch dazu führen, dass Marketingfuzzis anderen Marketingfuzzis folgen müssten, während sie versuchten sich gegenseitig Heizdecken und Filzpantoffeln zu verkaufen. Keine schlechte Welt und eine gerechte Strafe, wenn ihr mich fragt…

Was ich damit sagen will: Ich mag meine Follower. Ich mag sie ganz besonders, wenn sie mit mir kommunizieren, mir Feedback geben, und ich das Gefühl habe, dass nicht alles, was ich in den Äther blase, verpufft. Natürlich füttert es mein Ego, wenn tolle Hechte mir folgen, aber solange kein Feedback folgt, bringt mir das nichts.

Deswegen nochmal kurz meine Meinung zur Aktion Followback:

Big. Fucking. Deal.

Anmerkung des Autors: Einige Sachverhalte wurde überspitzt dargestellt und sind hochgradig polemisch.


3 Comments

  1. 17/11/2010

    Yeah. Big fucking deal indeed. Das war auch in etwa mein Gedanke. Das ist im Übrigen oft mein Gedanke, wenn irgendwer auf Twitter über seine Twitter-Follower (seien es nun real-existierende, fortgelaufene oder gewünschte) quasselt. Wenn ich alle Tweets mit dem Wort “Follower” rausfiltern könnte, ich würde es vermutlich tun. Weil mich echt nicht die Bohne interessiert, wer nun als nächstes die 500, 1000 oder welche runde Followerzahl auch immer erreicht und anlässlich dieses Sachverhaltes um mehr Follower bettelt.
    Da will ich immer in den Äther brüllen: “Hey, Ihr Dumwits, Twitter ist ASYNCHRON konzipiert. Nein, nicht asozial, einfach nur asynchron.” Das heisst, jeder folgt denen, die er (warum auch immer) lesen möchte und spannend findet, statt automatisch allen, die ihm folgen. So gesehen ist Twitter mal eine kleine Lektion in Sachen Kontrollverlust und Unabhängigkeit. Höchste Zeit war’s.

  2. 17/11/2010

    With so many followers following followers – who is going to lead?!

  3. DedalusRoot
    17/11/2010

    @mtness: That’s the point: Nobody’s leading… or maybe in this case everybody’s leading. Doesn’t matter anyway, since we don’t know where we’re going. 😉
    Kontrollverlust at its finest!

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