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9th February
2011
written by DedalusRoot
“After the first glass, you see things as you wish they were.
After the second, you see things as they are not.
Finally, you see things as they really are,
which is the most horrible thing in the world.”
Oscar Wilde
Quelle: Wiki

Bis gestern dachte ich, ich sei ein Mann von Welt: Schumanns Whiskey-Lexikon und Bar-Buch im Bücherregal,  das Jazzbuch immer griffbereit und den versilberten Absinthlöffel im Spirituosen-Kabinett. Ich kann einen trockenen Martini mixen ohne in Schweiß auszubrechen, weiß dass James Bond ein cocktailtechnischer Stümper ist und beherrsche die hohe Kunst des Death in the Afternoon (Die Kunst besteht darin wie von Hemingway verordnet drei bis fünf davon zu trinken…). Und natürlich bin ich in der Lage einen Absinth klassisch zuzbereiten: mit Löffel, Zuckerwürfel und dem ganzen Brimborium eben. Dachte ich…

Seit gestern weiß ich dilletantischer Stümper, dass es zwei, tasächlich sogar drei Möglichkeiten gibt, den Besuch der grünen Fee zu zelebrieren:

Die tschechische Methode (Burn, Baby!): Absinth wird großzügig in ein Glas gegeben, der Löffel aufgelegt und mit ein bis zwei Würfeln Zucker garniert. Dann wird der Zucker mit Absinth übergossen und entzündet. Der Zucker schmilzt und wird, sobald er vollständig geschmolzen ist, mit eiskaltem Wasser abgelöscht. Dadurch erhält die Medizin die  bekannte Trübung (Louche). Das Ganze sieht wundervoll aus, führt bei nicht feuerfesten Gläsern zu Sauerei und war die von mir seit Jahren praktisch umgesetzte Theorie… interessanterweise wurde diese publikumswirksame Trinkweise aber erst irgendwann in den 90ern von tschechischen Absinthproduzenten entwickelt und ist somit ungefähr so klassisch wie Martini Rosso aus der Flasche und der Volkswagen Beetle…

Klassisch und historisch verbrieft ist das französische Trinkritual, dass bis zum Verbot Anfang des 20. Jahrhunderts von Denkern, Dichtern und anderen gescheiterten Existenzen zelebriert wurde: Hier wird der auf dem Löffel plazierte Zucker langsam mit eiskaltem Wasser übergossen, beziehungsweise beträufelt. Dadurch löst sich der Zucker auf und tropft langsam in das Glas. Hierzu wird im Regelfall eine Absinthfontaine oder ein Brouille-Set benutzt, damit das Wasser langsam und nur in einem dünnen Strahl über den Zucker fließt. Das brutzelt zwar nicht so schön wie bei den Tschechen, hat allerdings eine ebenso hypnotische Wirkung:

Sollte das alles zu umständlich und langwierig sollte, kann man es mit den Schweizern halten: Die kippen lediglich ein paar Schluck kaltes Wasser in ihrem Absinth, und fertig. Alternativ können jene, die sich Sorgen um den Erhalt von Gehirnzellen machen, ein Gläschen Chartreuse genießen… oder besser noch: Tomatensaft. Den hebe ich mir für den Tag danach auf.

Bekannte Absinth-Anlaufstellen:


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2 Comments

  1. 10/02/2011

    in spanien übrigens trinkt man absinth auch gerne mal gemischt mit apfelsaft. buhä – das gab einen komischen blick des kellners in der örtlichen absinth-bar (http://www.absinth-bar.com/), als meine begleitung dies bestellte. und das mit recht!

  2. DedalusRoot
    10/02/2011

    Spanier trinken auch Rotwein mit Cola… ich glaube was Absinth betrifft, sollte man sich wirklich an die Franzosen halten.

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