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23rd February
2011
written by DedalusRoot

… oder: Wärmepilze, wie sie sein sollten.

Der im Volksmund als Wärmepilz bekannte Fungus Motiunculus ist ein hochgiftiger, halluzinogener Pilz aus der Familie der Kahlköpfe (Psilocybe).
Dieser, mit einem Hutdurchmesser von bis zu 60 Zentimetern, größte aller psychoaktiven Pilze verdankt seinen Namen der Tatsache, dass er als Nebeneffekt seiner Sporenproduktion eine angenehme, wohlige Wärme ausstrahlt. Diesem erstaunliche Umstand verdankt es der Pilz, dass Nager und andere Waldbewohner in der kalten Jahreszeit die Nähe des Pilzes suchen. Die hohe Toxizität der abgesonderten Sporen hat dabei zur Folge, dass die Wärme suchenden Tiere in einen rauschähnlichen Zustand verfallen und alsbald unter dem Hut des Pilzes verenden. Die wenige Zeit später einsetzende Verwesung der Kadaver kommt wiederum dem Wachstum des Wärmepilzes zugute und lockt durch ihren süßlichen Geruch weitere Tiere an.

Diesem bemerkenswerten Mechanismus verdankt der Wärmepilz nicht nur seine Einzigartigkeit in der Pflanzenwelt, sondern auch die Erwähnung in alten Überlieferungen und Märchen. So wird von Wärmepilzen berichtet, deren Größe ausreicht, um größeren Tieren und sogar Kindern Schutz vor Wind und Wetter zu bieten. Auch wird vermutet, dass Erzählungen von verwunschenen Wäldern auf Regionen mit besonders dichter Wärmepilz-Vegetation zurückgehen. So wird im Erzgebirge die Geschichte einer jungen Köhlerstochter erzählt, die auf der Flucht vor Ihrer Zukunft als Dirne im nahe gelegenen Wald Unterschlupf findet. Unter einem gigantischen Wärmepilz bettet sie sich für die Nacht zur Ruhe, um in einen hundertjährigen Schlaf zu fallen, aus dem sie nur der Kuss eines Narren oder Dichters wecken kann.
Eine deutlich ältere, slawische Version dieser Geschichte berichtet, das Mädchen habe nicht unter, sondern im Inneren eines solchen Pilzes Zuflucht gefunden, wo sie ein weitreichendes Geflecht aus unterirdischen Kammern und sich verzweigenden Gängen fand. Nach und nach fiel die junge Frau dem durch die Pollen induzierten Wahnsinn anheim, bis sie schließlich ihr Erbe und ihre Herkunft vergaß und das unterirdische Labyrinth zu ihrem Königreich erklärte, dass sie fortan als Madame Motiuncula regierte  und arglosen Wanderern und verirrten Kindern auflauerte, um diese in ihr unterirdirsches Königreich zu verschleppen.

Seit Ende der 20. Jahrhunderts werden Wärmepilze vermehrt in hermetisch abgeriegelten Hochsicherheitstreibhäusern gezüchtet und in die deutsche Hauptstadt exportiert. Dort dienen sie notorischen Frischluftfanatikern und Rauchern als Wärmequelle an frostigen Tagen. Bemerkenswerterweise scheint die toxische Wirkung des Pilzes die ohnehin verstrahlten Haupstädter nicht zu beeinflussen. Berichte wonach bei Mitgliedern des Bundestags erhöhte Vergesslichkeit und fehlender Realitätssinn bis hin zu Wahnvorstellungen und Allmachtsphantasien festgestellt wurde, scheinen keinen direkten Bezug zur steigenden Zahl der Wärmepilze in der Hauptstadt zu haben.


Und sollte sich der geneigte Leser nun fragen, was das soll und wie ich auf einen solch hahnebüchenen Unfug komme… Petra und ihr Getwitter sind Schuld!

Lustig, wenn man im fremdsprachigen Ausland lebt. Musste überlegen, was ein "Wärmepilz" ist und dachte zuerst an Bewusstseinserweiterung.
@buchfieber
Petra van Cronenburg

#Wärmepilz klingt wie diese russischen Märchen, wo alle Tiere sich in einen einzigen Fausthandschuh kuscheln...
@buchfieber
Petra van Cronenburg


2 Comments

  1. […] This post was mentioned on Twitter by Herlof, Petra Gabriel and Petra van Cronenburg, Dedalus Root. Dedalus Root said: @buchfieber Ich habe den Wärmepilz noch mal aufgegriffen… musste ich! http://dedalusroot.net/?p=2513 Geschichten verstecken sich überall. […]

  2. 24/02/2011

    Ich LIEBE solche “Spinnereien”. Mehr!

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