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23rd May
2011
written by DedalusRoot

Vergangenen Samstag fand der zweite, deutschlandweite Gratis-Comic-Tag statt. Selbstverständlich habe ich meine lokalen Dealer abgegrast und Lesestoff besorgt: Green Latern, The Goon, Wasteland und, da Die Toten bereits vergriffen war, die Muppets. Zunächst einmal muss ich gestehen, dass die Auswahl selten dämlich war. Green Latern und die Muppets hätte man sich sparen können und sich stattdessen komplett auf unbekanntes oder Neuerscheinungen konzentrieren sollen.. Leider gehörten Entscheidung unter Zeitdruck noch nie zu meinen Stärken. Nichtsdestotrotz ist Green Latern ein Klassiker und macht Lust auf die bald erscheinende Verfilmung, und die Muppets machen sich ganz großartig als Klolektüre neben der Mao-Bibel und der Süddeutschen …

 

Nun aber zu den anderen, mir bis dahin noch unbekannten Heften:

Wasteland
Antony Johnston, Christopher Mitten (Modern Tales)

“100 Jahre sind vergangen, seit die Zivilisation, wie wir sie kennen, untergegangen ist. Was blieb, ist das WASTELAND – gewaltige Wüsten, in denen die Menschen ums Überleben kämpfen. Und einige, die nach der Ursache der Katastrophe suchen… Dieses Heft spielt vor den Ereignissen in der Buchreihe und bildet damit einen exklusiven Prolog zur aufsehenerregenden Post-Apokalypse-Serie! Idealer Einstieg in die Welt des WASTELAND!”

 

The Goon
Eric Powell (Cross Cult)

“In einer namenlosen Stadt Anfang des 20. Jahrhunderts tobt ein Krieg zwischen dem Bösen und … dem etwas weniger Bösen. Auf der einen Seite stehen der Zombie-Priester und seine Legionen der Untoten und anderer unmenschlicher Abscheulichkeiten und auf der anderen der Bandenchef, Geldeintreiber und Knochenbrecher Goon und seine Bande aus Halsabschneidern, Strauchdieben, Schiebern, Falschspielern, Schnapsleichen und Ehebrechern, die – manchmal kann man sich so was nicht aussuchen – die letzte Bastion des Widerstands gegen die untote Bedrohung sind…”


 

Sowohl das Artwork als auch die… äh… “Klappentexte” der beiden Comics sind absolut schlagende Argumente zum Kauf der Hefte: Postapokalyptischer Western auf der einen, Roaring Twenties vs. Zombies auf der anderen. Was könnte da noch schiefgehen?
Anscheinend doch so einiges, denn leider schaffen es weder Wasteland noch The Goon mich vollends zu überzeugen. Beide Hefte sind großartig gezeichnet, die den Stories zugrunde liegenden Ideen sind faszinierend, aber irgendwie schafft es keines der beiden Hefte so zu fesseln, dass man umgehend losziehen und sein Taschengeld in weitere Hefte investieren möchte. Tatsächlich kommt zu keinem Zeitpunkt im Verlauf der Story  Spannung auf, und Wortwitz ode runde Dialoge muss man mit der Lupe suchen, was mich umso trauriger stimmt,  als die Bilder und Stories wirklich vielversprechend sind. Tatsächlich habe ich das unbestimmte Gefühl, dass beide Hefte nicht an sich schlecht sind ( immerhin hat The Goon zahlreiche Preise abgeräumt), sondern lediglich an einer lieblosen und vielleicht zu schnell zusammengeschusterten Übersetzung kranken. Nachdem ein Einstieg im bereits laufende Serien meist extrem schwierig ist, habe ich mir vorgenommen beim nächsten Besuch beim Comicdealer meiner Wahl einmal ein wenig ausgiebiger in den Originalversionen der beiden Serien zu schmökern…

 

Doch halt! Cross Cult wartet am Ende von The Goon dann doch noch mit einer hübschen Überraschung auf:
Das Heft enthält sechs zusätzlich Seiten. Dabei handelt es sich um ein wunderschöne schwarze Perle namens Steam Noir, die der Feder von Felix Mertikat und Benjamin Schreuder entstammt. Die beiden haben im letzten Jahr für ihr Comic-Debüt Jakob den Sondermann-Preis als beste Newcomer erhalten und planen für den Herbst diesen Jahres die Veröffentlichung dieser “bizarromantischen Steam Punk-Comicserie”.

“Steam Noir spielt in einer zeitentrückten, zerbrochenen Welt, die von Dampftechnik, Magie, Religion und Bürokratie regiert wird. Wenige Tage vor den “Blinden Tagen”, der Zeit, wenn die Totenscholle und die Sphäre der Menschen sich kreuzen und für Risse und Verzerrung im Gefüge der Realität sorgen, wird der Bizzaromant Heinrich Lerchenwald mit einem obskuren Fall beauftragt, der ihn an die Abgründe menschlichen Tuns und darüber hinaus führen wird…”

Und plötzlich ist der da, der magische Moment, wenn Story, Bild und Text diesen unwiderstehlichen Sog entwickeln, der einen geradezu in die Seiten hineinzieht: Die Bilder sind traumhaft düster und die Story von der ersten Sekunde fesselnd. Dermaßen fesselnd sogar, dass ich mich nach sechs Seiten regelrecht ärgere, dass es sich hierbei nur um eine “Schnupper-Preview” handelt und nicht um ein vollwertiges Heft. Für den vollen Lesegenuss muss ich also bis Oktober 2011 warten… und bis dahin wohl auf das Erstlingswerk der beiden ausweichen, um die Wartezeit zu verkürzen.

 

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