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26th September
2011
written by DedalusRoot

Zia (Patrick Fugit) ist tot. In einem Anflug von jugendlichem Liebeskummer und Selbstmitleid hat der junge Mann den Werther gemacht und sich die Pulsadern aufgeschlitzt, um seinem gebrochenen Herzen und seiner traurigen Existenz zu entfliehen. Zuvor hat er selbstverständlich seine Wohnung geputzt und starrt nun, in einer Lache seines eigenen Bluts liegend, auf eine riesige Staubfluse in der Ecke seines Badezimmers. Beschissener kann das Leben fast nicht sein… gäbe es da nicht das Leben nach dem Tod, denn das ist seinem alten nicht ganz unähnlich, nur wesentlich schlimmer: Das Jenseits, in dem sich Zia wiederfindet, ist eine graue, mit Autowracks gesäumte Wüstenlandschaft, in der Selbstmörder eine trostlose Existenz irgendwo zwischen Verzweiflung und Resignation fristen und kein Mensch jemals lächelt. Hätte er nicht die Befürchtung, er könne in einer noch beschisseneren Realität landen, er würde sich glatt ein zweites Mal das Leben nehmen…

Die restlichen Bewohner dieser Welt scheinen sich im Gegensatz zu Zia mit Ihrem Leben nach dem Tod abgefunden zu haben: Zias österreichischer Mitbewohner Erik beschwert sich zwar regelmäßig, dass Zia sich zum Pinkeln nicht setzt und seinen Kühlschrank plündert, scheint sich aber ansonsten in dieser Zwischenwelt arangiert zu haben, und der russische Rockstar Eugene (Shea Whigham in einer kleinen Hommage an Gogol Bordello-Frontmann Eugene Hutz), der sich nach einem besonders schlechten Gig direkt auf der Bühne das Leben genommen hat, gibt sich mit kaltem Bier und der Tatsache zufrieden, dass ihm nach und nach seine gesamte Familie ins Jenseits gefolgt ist.

Leben kommt erst wieder in die tote Runde, als Zia erfährt, dass Desiree (Leslie Bibb), die Frau für die er das zeitliche gesegnet hat, kurz nach seinem Tod ebenfalls die Abkürzung ins Jenseits genommen hat und genau wie er in dieser trostlosen Anderswelt gelandet ist. Kurzerhand überredet er Eugene mit ihm aufzubrechen, um die Angebetete zu finden. Auf Ihrem Road Trip sammeln sie die Anhalterin Mikal (Shannyn Sossamon als bezauberndes Manic Pixie Dream Girl) auf, die, wie sie sagt, versehentlich in dieser Hölle gelandet ist und auf der Suche nach den “Verantwortlichen” ist, um sich zu beschweren. Komplettiert wird diese schräge Runde durch Mr. Kneller (Tom Waits), der seinen Hund sucht und mitten in der Wüste ein kleines Camp voller durchgeknallter Verstorbener anführt…

 

Wristcutters stand eigentlich schon seit seinem Erscheinen auf dem Sundance Festival auf meiner Liste (vor allem weil Tom Waits mitspielte, und ich noch keine schlechten Filme mit der alten Knarzstimme gesehen habe), ist aber immer wieder von meinem Filmradar verschwunden. Zu Unrecht, denn diese kleine Independent-Perle von 2006 ist jede einzelne Minute wert. Goran Dukic hat einen magischen kleinen Road Movie geschaffen, der perfekt die Waage zwischen Witz und Tiefgang hält, und der trotz der trostlosen Landschaft und der Tatsache, dass im Verlauf der Geschichte kein einziges Mal gelächelt wird, eine Leichtigkeit hat, die bis zum Ende bezaubert und fesselt.

Komplettiert wird das Ganze durch einen der besten und schrägsten Soundtracks seit langem, der nicht nur Songs von Gogol Bordello und natürlich Tom Waits, sondern auch große Selbstmordhymnen wie “Love Will Tear Us Apart” und “Gloomy Sunday” enthält, bei deren gekonnten Einsatz ich ein ums andere Mal schmunzeln musste.

Wristcutters ist mit ziemlicher Sicherheit kein cineastisches Meisterwerk und wartet auch nicht mit großen Überraschungen bezüglich der Story oder Charakterentwicklung auf, besticht aber durch viele liebevolle Details und ist auf jeden Fall genau der richtige Film für alle, die ihre Liebesgeschichten ein wenig morbider mögen und mal wieder einen verregneten Herbsttag auf der Couch verbringen möchten.

 

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