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31st May
2012
written by DedalusRoot

 

Folgender Artikel, der sich die Frage nach dem Sinn und Mehrwert von Social Media Buttons stellt, fiel mir heute in meiner Timeline entgegen:

Sweep The Sleaze – Information Architects

“Promising to make you look wired and magically promote your content in social networks, the Like, Retweet, and +1 buttons occupy a good spot on pretty much every page of the World Wide Web. Because of this, almost every major site and world brand is providing free advertising for Twitter and Facebook. But do these buttons work?”

Beim Lesen des oben genannten Artikels fiel mir auf, dass ich Social Media Buttons eigentlich nur noch in den seltensten Fällen nutze. Interessante Artikel teile ich entweder direkt über meinen RSS Reader oder kopiere die URL samt eines liebevoll verfassten Kommentars in meinen Twitter Client oder direkt in das soziale Netzwerk meiner Wahl. Als dritte Alternative stünde noch das Shareaholic/ShareThis Plugin meines Browsers zur Verfügung.

Dementsprechend stelle mir nicht erst seit der Lektüre dieses Artikels die berechtigte Frage:

– Kinder, tun diese ganzen Buttons eigentlich noch Not?

Zugegeben, es sind weniger geworden… die Unmengen an Buttons, die Inhalte quer durch’s Netz auf Social Media Plattformen, Bookmarking Services und andere Archivierungsdienste verteilen, sind inzwischen größtenteils ein Ding der Vergangenheit.

Nichtsdestotrotz finden sich auf jeder Seite, die etwas auf sich hält und Teil der Netzgemeinde™ sein will, die magischen Knöpfe, die Lesern nicht nur das Teilen (Copy & Paste will gelernt sein!) von Inhalten erleichtern, sondern auch für einen massiven Anstieg an Ladezeiten sorgen sowie das Surfverhalten der Leser dokumentieren und ganz bequem zur Auswertung durch die jeweilige Plattform bereitstellen.
Sicherlich gibt es hierfür inzwischen Lösungen, wie den 2 Click Social Media Button, die das datenschutzkonforme Teilen von Inhalten ermöglichen (Gibt es so etwas wie das datenschutzkonforme Teilen von Inhalten?). Aber mal ehrlich: Warum machen wir uns diese Mühe? Warum erweitern wir unser Impressum um vier weitere Absätze zur Verwendung von Social Plugins, nur um einen kleinen blauen Button unter jedem Beitrag zu platzieren, der keinen wirklichen Mehrwert hat, außer unseren Lesern das Kopieren und Einfügen einer URL abzunehmen?

Selbstverständlich wollen wir den Lesern das Teilen von Inhalten erleichtern, das steht außer Frage. Nachdem man aber davon ausgehen kann, dass inzwischen jeder, der einen Twitter- oder Facebook-Account besitzt, auch die Möglichkeiten kennt einen Link zu verbreiten, vor allem nachdem Twitter und die dazu gehörigen Clients inzwischen sogar das automatische Kürzen von Links unterstützen. Wo ist also der Mehrwert, für uns, für die Leser?

“Social media buttons make you look like a dog waiting for the crumbs from the table”

Tatsächlich bewirken die auf den Seiten integrierten Buttons unabhängig von ihrer eigentlichen Funktion mehrere Dinge:

Einerseits stellen sie eine konstante Aufforderung an den Leser dar, die im schlimmsten Fall als Flehen und Betteln verstanden wird. Im Besten Fall wirkt der Autor immer noch wie ein hyperaktiver Welpe, der dem Leser konstant zurruft: “Wirf das Stöckchen!”

Andererseits sind die Buttons ein Statement des jeweiligen Seiteninhabers, der sich über die simple Integration einiger Buttons eine gewisse Kompetenz in Sachen Social Media erwirkt: “Seht her! Ich kann Social Media! Twitter! Facebook! Google+! Flattr!”.

Darüber hinaus dienen die Buttons mit Ihren Countern, die anzeigen, wie oft ein Beitrag geteilt, geliked und geflattrt wurde, als Streicheinheiten für das Ego des Autors und als Indikator für die Relevanz des Blogs, als wäre das konstante Monitoring via Google Analytics dafür noch nicht genug. Traurig wird es aber erst, wenn die Counter der Buttons regelmäßig auf Null stehen: Dann wirkt das Blog schnell wie sprichwörtliche Geisterstadt, durch deren Straßen leise der Wind der Irrelevanz pfeift und einsame Tumbleweeds wehen.

Spätestens beim Surfen mit mobilen Endgeräten (und ein Großteil meiner (unserer) Onlineaktivität findet inzwischen mit rapide steigender Tendenz mobil statt) wird die Redundanz der Buttons noch deutlicher: Je nach Art des Artikels fallen mir auf Anhieb mindestens acht Dienste ein über die ich Inhalte verschicke oder zur späteren Nutzung speichere. Und da soll ich den Inhalt mittels Button direkt über das Webinterface teilen?
For fuck’s sake, people: There’s an App for that!

Halten wir fest: An und für sich benötigt niemand, der sich in privaten Blogs bewegt und dort liest, eine konstante Erinnerung daran, dass die Inhalte geteilt, getwittert oder geflattrt werden können. Wenn mir ein Beitrag gefällt, kenne ich als Bewohner des Interwebs diverse Möglichkeiten meine Bezugsgruppen darüber zu informieren, dass ich etwas als lesenswert erachte.

Wird ein Leser, der keine Social Media Buttons vorfindet, einen lesenswerten Artikel nicht teilen, weil er nicht weiß, wie? Ich weiß es nicht. Vielleicht verlässt er vollends darüber verirrt, dass ihm diese Seite keine Möglichkeit bietet sich mitzuteilen, das Blog und kehrt nie wieder. Vielleicht hinterlässt er stattdessen auch einen Kommentar. Oder er nutzt die Methode zum Teilen, die ihm am meisten zusagt. Ich vermute letzteres.

Mir erscheint es, als hätten wir uns entschieden diesem virtuellen Las Vegas aus aufmerksamkeitsheischenden Bannern und Buttons ein paar weitere bunte Lichter hinzuzufügen und Teil der ständig blinkenden mit Werbung überladenen Web-Landschaft zu werden, statt die Aufmerksamkeit dort zu bündeln, wo wir sie haben wollen und sie auf den Inhalt zu lenken. Warum eigentlich?

In diesem Sinne:

„In a medium full of advertisement and self-promotion, every unnecessary pixel of noise and “click-me!”-begging should be avoided if it can be”

2 Comments

  1. […] und es kaum Möglichkeiten gibt diese zu bündeln.  Auch ich habe mir zur diesen Problemen schon diverse Gedanken gemacht, auch wenn ich, wie viele andere auch, nicht immer die Konsequenz hatte diese […]

  2. Kim
    05/12/2013

    Hi!

    Danke für Ihren “magischen” Artikel. 🙂 Einerseits gehen mir gerade die selben Gedanken durch den Kopf:

    “Wenn mir ein Beitrag gefällt, kenne ich als Bewohner des Interwebs diverse Möglichkeiten meine Bezugsgruppen darüber zu informieren, dass ich etwas als lesenswert erachte.”

    Und andererseits habe ich via Ihren Beitrag eine – wie mir scheint – interessante “Teilen” Alternative gefunden! Werde die “2 Click Social Media Buttons” gleich mal ausprobieren. Danke! LG Kim

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