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28th July
2012
written by DedalusRoot

Zitronenhühnchen mit Ofenkartoffeln und Couscoussalat

Wie ich am Wochenende erfahren habe, sind meine Eltern gerade im Begriff einen Hühnerstall zu bauen… Nicht etwa zum Zeitvertreib oder aus Langeweile, sondern weil die wirtschaftliche Lage in Griechenland inzwischen so prekär ist, das sich ein Großteil der Bevölkerung ernsthafte Gedanken machen muss, wie er seine Familie durch den Winter bringt. Und so ein Suppenhuhn oder Hähnchen oder einfach nur ein paar frische Eier eignen sich nicht nur zum Verzehr, sondern auch ausgzeichnet für Tauschgeschäfte mit dem Nachbarn, der gute Verbindungen zu den örtlichen Fischern hat. In Zeiten wie diesen sicherlich nicht die übelste aller Ideen… Also bauen wir, knapp 15 Jahre Jahre nachdem wir den Hühnerstall meiner Großmutter abgerissen haben, einige Meter weiter einen neuen. History repeating…

Im Zusammhang mit dieser Geschichte fiel mir ein klassisches Rezept meiner Jugend ein: Zitronenhühnchen mit Ofenkartoffeln (griechisch: κοτόπουλο λεμονάτο με πατάτες στο φούρνο) ist eines jener Gerichte, die neudeutsch unter dem Begriff Comfort Food zusammengefasst werden, ein Begriff der alles umfasst, was traditionell in Mutters Küche zubereitet wurden und einen meist nostaglischen oder sentimentalen Wert haben. Früher hätte man wohl etwas abwertend Hausmannskost dazu gesagt, aber um so weiter wir uns von den einfachen Dingen entfernen, desto kostbarer scheinen sie zu werden…

Für das folgende für mich mit einigem an Erinnerungen behaftete Gericht, wird im Optimalfall ein freilaufendes griechisches Hühnchen benötigt, dem Großmutter eigenhändig den Hals umgedreht hat. Wer, wie ich, fern der Heimat lebt, keinen Hühnerstall besitzt oder es nicht über’s Herz bringt einem Lebenwesen mit bloßen Händen das Genick zu brechen, sollte sich eines fremdgeschlachteten und bereits ausgenommenen Federviehs bemächtigen, dass sich zu Lebzeiten eines möglichst sorgenfreien Lebens außerhalb der Legebatterien und oberhalb der Armutsgrenze erfreuen durfte… käuflich zu erwerben sind solche Hühner übrigens meist nicht im Supermarkt um die Ecke.

Ab diesem Zeitpunkt sind der Fantasie des hungrigen Kochs eigentlich kaum noch Grenzen gesetzt. In der Küche meiner Großmutter wurde das Huhn von Couscous über Bulgur bis hin zu oben genannten Zitronen mit allem gefüllt wird, was die Speisekammer und der eigene Garten hergab. Diesem Vorbild wollte ich zumindest ein Stück weit treu bleiben und habe mich, nachdem mein bescheidener Balkongarten in dieser Woche die ersten roten und gelben Tomaten, eine Paprika und auch wieder eine prächtige Gurke abgeworfen hat, dazu entschieden, das Couscous zu Salat zu verarbeiten, und das Huhn stattdessen klassisch mit Zitrone und Ofenkartoffeln zu servieren.

Bereits erwähntes Gemüse wird inklusive einiger Frühlingszwiebeln und etwas Knoblauch gewürfelt unter das nach Packungsvorgabe zubereitete (aufgießen, quellen lassen, etwas Öl oder Butter dazu) und erkaltete Couscous gemischt. Das Couscous bekommt übrigens zusätzliche Farbe und Geschmack, wenn man dem Wasser bzw. der Brühe ein wenig Tomaten- oder Paprikamark beifügt. Den Salat mit Pfeffer, Salz und Zitronensaft abschmecken, nach Wunsch Minze, Petersilie oder Schafskäse hinzugeben und ziehen lassen.

Das einstmals glückliche Huhn wird in der Zwischenzeit gewaschen, liebevoll trocken gerubbelt und sodann in- und auswendig mit einer Mischung aus Pfeffer, Salz und (wahlweise) Rosmarin eingerieben. Nun geht’s an’s Eingemachte! Dem Huhn wird mittels hochmoderner Präzisionschirurgie eine unbehandelte und mehrfach mit der Gabel perforierte Zitrone (Sollten keine unbehandelten Zitronen verfügbar sein, und die Chancen hierfür stehen für Konsumenten im 21sten Jahrhundert leider erstaunlich gut: Schale entfernen!) implantiert. Der Zitrone können zur Geschmacksverbesserung gerne ein paar (in meinem Fall eine gute Handvoll) angedrückte Zehen einer möglichst frischen Knoblauchknolle Gesellschaft leisten. Wer beim Würzen des Huhns auf Rosmarin verzichtet hat, darf an dieser Stelle noch ein paar Salbeizweige in der Bauchhhöhle des bedauernswerten Tiers deponieren, bevor diese fachmännisch verschlossen wird. Das Huhn wir großzügig mit Olivenöl bestrichen und darf dann in einer Auflaufform Platz nehmen und auf die Gesellschaft der Kartoffeln warten. Diese werden, je nach Größe, halbiert oder geviertelt und dürfen in einer großen Schüssel die Bekanntschaft mit mit Salz, Pfeffer, Zitronensaft und einem guten Schuss Olivenöl machen, bevor sie neckisch um das Huhn herum in der Auflaufform drapiert werden.
Bevor es in die Röhre geht, wird der Auflaufform ein wenig Flüssigkeit in Form von Brühe oder Wasser hinzufügt.

Das Ganze landet dann für eine gute Stunde (je nach Größe) im Ofen und darf schmurgeln, Ich bedecke das blasse und daher sehr scheue Huhn für die erste Hälfte der Bratzeit mit angefeuchtetem Backpapier und setze es erst dann der unnachgiebigen Hitze (ca. 180°C bis 200°C) meines Elektroherds aus.

Wer den Vogel selbst ausgenommen hat oder einen vertrauenswürdigen Metzger besitzt, kann aus den Innereien (ihr kennt das: Leber, Herz, Magen… was ihr Euch so traut zu essen), statt diese wie in Deutschland üblich an den Hund zu verfüttern, ein schnelle Vorspeise zaubern: einfach in mundgerechte Stücke schneiden, scharf(!) anbraten, großzügig pfeffern und (zum Schluß) salzen. Das Ganze im einem guten Schuss Balsamico ablöschen und ein paar halbierte Kirschtomaten dazugeben. Kurz schmoren lassen und genießen, solange das Huhn im Ofen brutzelt.

Der Rest ist bekannt:

Anrichten, Fotografieren, Essen!

Auch in diesem Fall gilt, dass in jedem Fall etwas dazu getrunken werden sollte… Nachdem das Gericht Heimatgefühle wecken soll, empfehle ich an dieser Stelle einen bodenständigen weißen Agioritikos vom Heiligen Berg Athos, oder (für jene, deren Ersparnisse nicht bei griechischen Banken einliegen) einen der Weißweine des mit Preisen überschütteten Weinguts Hatzimichalis. Ziemlich einfach zu beziehen sind diese Weine, wenn man griechische Verwandtschaft hat oder über eine Internetverbindung verfügt.

Γειά μας!

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Warnung!

Widerstand

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