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26th July
2012
written by DedalusRoot

Gestern habe ich Batman gesehen… und wie bei allen wichtigen Filmen meiner Generation (Matrix, Der Herr der Ringe) habe ich mir auch diese Trilogie im Triple Feature angesehen. Heute morgen gegen viertel nach drei stand ich mit einem Kumpel an der Tramhaltestelle und war gelinde gesagt verstört. Das war also das lang antizipierte Ende der Legende, dass mir versprochen worden war? Ich war enttäuscht… Waren es die erhöhten Erwartungen? Die Übermüdung nach sieben Stunden Kinomarathon? Oder hat die deutsche Synchronisation diesen ansonsten hochgelobten letzten Teil von Nolans Trilogie verdorben?

//————– WARNING! There be Spoilers! ————–//

Acht Jahre sind seit Batmans grandiosem Scheitern im Wettstreit mit dem Joker vergangen. Acht Jahre in denen Gotham nicht nur den Kampf gegen die Kriminalität, sondern auch einen neuen Helden gewonnen hat. Während Batman die Schuld für die Morde an fünf Polizisten und Staatsanwalt Harvey Dent auf sich geladen hat, ist Dent zum Märtyrer und Symbol für den Frieden in der Stadt geworden. Batman hingegen, der sich entschieden hat Dents Verfehlungen auf sich zu laden, wird von der Polizei gesucht und ist seitdem nicht mehr in Erscheinung getreten.

Seit eben diesen acht Jahren scheint auch der ehemalige Lebemann und Milliardär Bruce Wayne nicht mehr in Erscheinung getreten zu sein. Verbittert und desillusioniert hat er sich in den Ostflügel seines Anwesens zurückgezogen, meidet die Öffentlichkeit und pinkelt, wie man sich erzählt, in Einmachgläser. Während also seine Stadt den Kampf gegen das Verbrechen gewonnen hat, hat Wayne den Preis für diesen Sieg gezahlt: Nicht nur hat er seine Jugendliebe Rachel Dawes, sondern auch seine Existenzberechtigung als Held verloren. Welchen Sinn macht ein dunkler Rächer in einer Stadt in der sämtliche Verbrecher einsitzen, und die Polizei so gelangweilt ist, dass sie bald nach nicht zurückgegebenen Büchern aus der Leihbücherei fahndet?

Bruce Wayne ist zu Beginn des Films ein vielerlei Hinsicht gebrochener Mann. Auch Waynes Körper musste den Zoll für die Strapazen des Heldentums zahlen und beginnt den Dienst zu verweigern. Nur mühsam und mit einem Gehstock humpelt der bärtige und verwahrloste Wayne durch das leere Anwesen.

Eigentlich wäre damit der Grundstein für ein weiteres Kapitel in der Geschichte des dunklen Rächers und das versprochene Ende der Legende gelegt. Aber irgendwie funktioniert der Film ab genau diesem Punkt nicht mehr für mich…

Eines der größten Mankos des dritten Teils und sicherlich auch eines der größten Risikos, das Nolan eingegangen ist, ist Bane. Die Herausforderung nach Heath Ledgers brillanter Interpretation des Joker einen Antagonisten zu erschaffen, der sich nicht mit Ledger messen muss, umgeht Nolan mit einem gekonnten Trick und bietet mit Bane einen Gegenspieler auf, der unterschiedlicher nicht sein könnte. Im Gegensatz zum körperlich fragilen Joker, der die Eleganz einer verborgenen Rasierklinge hat, stellt Bane die fleischgewordene Inkarnation eines unnachgiebigen Schraubstocks dar. Während der Joker durch grandioses Mienenspiel an Tiefe und Bedrohlichkeit gewinnt, muss Bane durch brachiale Physis überzeugen. Allein schon weil er, behindert durch die Maske, darauf beschränkt ist die Figur durch reine körperliche Präsenz und Sprache zur Geltung zu bringen. Und genau hier scheitert zumindest die deutsche Synchronisation auf ernüchternde Weise an der überakzentuierten Synchronstimme, die diese rohe Naturgewalt, die Quintessenz von Brutalität und Anarchie der Lächerlichkeit preisgibt und ihn klingen lässt, als versuche Darth Vader Yoda zu imitieren. Hätte Bane keinen dermaßen hohen Dialoganteil, man könnte es verschmerzen. So muss man sich bei jedem von Banes Monologen fragen, wer sich für diese Synchronisationsünde verantwortlich zeichnet und möchte ihn vor Jonathan Cranes Tribunal zerren. Und nein, wir verhandeln hier nicht die Schuld, sondern lediglich das Strafmaß… also? Tod oder Exil?

In den ersten beiden Teilen der Trilogie hat es Nolan geschafft, einen dunklen Rächer zu erschaffen, der meilenweit von dem entfernt ist, was  Comicverfilmungen in den 90ern ausmachte. Denn während Val Kilmer und George Clooney in Schumachers bunten Bubblegum-Verfilmungen gegen diverse, durchaus illustre Schurken zu kämpfen haben, kämpft Nolans dunkler Ritter in erster Linie mit sich selbst.

Batman Begins schildert nicht nur die Anfänge des dunklen Rächers, sondern vornehmlich die Reise eines jungen Mannes, der auf der Suche nach Rache für den Tod seiner Eltern nicht nur die Dämonen der Vergangenheit, sondern auch seine eigene Angst besiegen muss. Der Konflikt mit Ra’s al Ghul tritt dabei in den Hintergrund und bereitet lediglich die Bühne, um die psychologische Motivation des jungen Bruce Wayne auszuloten und dem Charakter eine für Comicverfilmungen ungewöhnliche Plastizität zu verleihen.

Auch der zweite Teil The Dark Knight besticht durch eine Subtilität, die für Comicverfilmungen eher unüblich ist. Im Joker findet Batman einen Gegenspieler, der nicht darauf aus ist ihn zu vernichten, sondern sich der bizarren Symbiose zwischen dem dunklen Rächer und seinem grinsenden Counterpart jederzeit bewusst ist. Das Thema des Films, dass den Held und seinen Antagonisten als zwei Seiten der selben Medaille darstellt, findet seinen Höhepunkt in der Verwandlung von Harvey Dent, dem weißen Ritter und strahlenden Helden von Gotham, der, durch den Joker grausam enstellt, als Harvey “Two-Face” seinen Glauben zu Beginn fest verankerten an Gerechtigkeit und Justiz zu Gunsten von Willkür und Selbstjustiz verliert und ein tragisches Ende findet.

Diese Chance, ein weiteres Mal die Charaktere in den Vordergrund treten zu lassen, hat Nolan meines Erachtens verstreichen lassen. Statt zu fokussieren und den gealterten und mehrfach gebrochenen Rächer zu porträtieren, der sich für seine letzte Schlacht gegen einen übermächtigen Gegner rüstet und sich dafür selbst überwinden und im Zweifel opfern muss, will Nolan mehr und tritt dabei die Handlung so breit, dass sie zerfasert und der Film an Gewicht verliert. Die einzelnen Stränge der Handlung sind da, scheinen sich aber irgendwo zu verheddern und können schlußendlich nicht so zusammengeführt werden, dass ein stimmiges Bild entsteht. So erweckt es für mich letztlich den Eindruck, dass The Dark Knight Rises am Anspruch an die eigene Größe scheitert.

Hätte Nolan die Messlatte mit den ersten beiden Verfilmungen nicht so unglaublich hoch gelegt,  wäre ich aller Wahrscheinlichkeit nach nicht allzu enttäuscht. Denn unterm Strich ist der Film ist bestes Unterhaltungskino allererster Güte und allein schon aufgrund der grandiosen Bilder einen Besuch im IMAX und eine große Portion Popcorn wert.

Nichtsdestotrotz hat mich der Film mit einem schalen Geschmack im Mund zurückgelassen. Dass Detective John Blake als Waise das Vermächtnis des dunklen Rächers antritt, war offensichtlich. Die Offenbarung, dass sein Geburtsname nicht John, sondern Robin ist, mutet aber doch eher wie ein schlechter Scherz an.
Und die Entscheidung diese Trilogie mit einem zuckersüßen, hollywoodesken Happy End der Spitzenklasse zu versehen und den dunklen Ritter aus den nächtlichen Schatten von Gotham in einen wohlverdienten Ruhestand im sonnigen Italien zu katapultieren, empfinde ich für meine Verhältnisse als zutiefst verstörend und unpassend.

Ich hatte mir gewünscht, dass Nolan einen Punkt setzt und dem dunklen Ritter, den er geschaffen hat, zu einem würdigen Finale verhilft. “The Legend Ends” war im Vorfeld versprochen worden… Schade, dass Nolan sich nicht daran gehalten hat.

 


Nachtrag: Dieser Beitrag ist einem Zustand emotionalen Aufruhrs und unter massivem Schlafmangel entstanden. Ich werde mir den Film in den nächsten zwei Wochen selbstverständlich ein weiteres Mal im Englischen Original ansehen und hoffe, dass sich vieles auf den zweiten Blick relativiert.The night is darkest just before the dawn…

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