Archive for August, 2013

13th August
2013
written by DedalusRoot

Tentacle Van

Kreuzberg – 19.07.2013

Leider kein Bulli und auch eher quick & dirty mit der Apfelknipse geschossen und mit pixlr aufgehipstert, aber wie schon Getrude Stein wusste: “Ein Squid ist ein Squid ist fast so gut wie Pandababys, Katzen und Faultiere.” Oder so ähnlich.

9th August
2013
written by DedalusRoot

 

Trotz der Tatsache, dass ich in Deutschland aufgewachsen und erst im Alter von 14 Jahren gen Griechenland entwurzelt wurde, um mich dort zumindest geringfügig mediterran sozialisieren zu lassen, werden einige meiner frühesten Kindheitserinnerungen von griechischen Melodien begleitet. In unserer Küche lief eigentlich immer Musik, meist die politisch motivierten linken Lieder von Mikis Theodorakis der 60er und 70er, eng verbunden mit dem Widerstand gegen die Griechische Militärdiktatur, oder alte, melancholische Rembetika, dem griechischen Blues mit Erzählungen von Haschisch-Höhlen und Gefängnissen, gescheiterten Liebschaften und Messerstechereien. Meine Mutter stand mittendrin und summte und sang. Und lange bevor ich auch nur die Hälfte der Texte verstehen oder deren Aussagen erfassen konnte, sang ich mit, weil es nichts gibt, dass Inhalte besser vermittelt als eine Melodie. Sesamstraße lässt grüßen…
Bedingt durch diesen Umstand habe ich nicht nur die unsagbar schiefe Gesangsstimme meiner Mutter geerbt, sondern auch ihre Liebe zur griechischen Musik. Wahrscheinlich lässt sich so auch erklären, weshalb ich, obwohl ich in Deutschland aufgewachsen bin und Deutsch weiterhin die Sprache ist, die ich mit Abstand am Besten beherrsche, nie den gleichen Bezug zu deutschsprachiger Musik wie zu griechischer gefunden habe. Griechische Musik dockt an völlig anderen Synapsen an, die sich wahrscheinlich irgendwo in den tiefsten Tiefen meines kleinen Echsenhirns befinden, und beschert automatisch Sehnsucht und das dauerhafte Gefühl etwas im Auge zu haben. (more…)

7th August
2013
written by DedalusRoot

Hiperrealismo_1

Hiperrealismo_2

Hiperrealismo_3

Miguelanxo Prado

[via so comic]
6th August
2013
written by DedalusRoot

Karagiozis

Kreuzberg @ Mariannenstraße – 28.05.2013

Karagiozis (griechisch Καραγκιόζης, vom türkischen Karagöz) ist eine volkstümliche griechische Schattentheaterfigur (Quelle: Tante Wiki).

Die Tradition des Schattentheater hat ihren Ursprung im Orient und wurde während der Zeit der osmanischen Besatzung von der griechischen Bevölkerung der kleinasiatischen Küste aufgenommen. Sie  hat sich von ihrer Anfangszeit im 19. Jahrhundert bis in die 80er Jahre gehalten, als es im griechischen Fernsehen noch regelmäßig Karagiozis-Sendungen, vergleichbar mit dem Kasperle in Deutschland, gab.

Karagiozis verkörpert den Archetyp des armen und unzureichend gebildeten Griechen zur Zeit des osmanischen Reichs und stellt damit so etwas wie den “Missing Link” zwischen den Helden der Schelmenromane und dem Prekariat der Neuzeit dar. Er wird stets barfuß und mit geflickten Kleidern dargestellt. Darüber hinaus ist er bucklig und hat einen überlangen Arm. Er lebt mit seiner Frau Aglaia und seinen drei Jungen in einer ärmlichen Hütte unweit des Serails.

Wie seine Nachfahren des krisengeschüttelten 21. Jahrhunderts ist Karagiozis über alle Maße faul und seine Interessen bestehen zu großen Teilen aus Essen und Schlafen. Sein Hauptaugenmerk liegt auf seinem eigenen persönlichen Vorteil, und wenn er aus seiner Lethargie erwacht, um etwas zu unternehmen, dann nur um sich selbst auf recht plumpe Art und Weise zu bereichern. Die Versuche scheitern zur Belustigung der Zuschauer meist kläglich, und die wichtigste Lektion, die sich daraus für den Betrachter ergibt: Don’t try!

Natürlich ist Karagiozis ist auch ein Relikt aus der Zeit der osmanischen Besatzung und damit ein Symbol für den Widerstand gegen einen übermächtigen Gegner. So plump seine Versuche sich einen Vorteil zu verschaffen sind und so einfältig er auch wirken mag, so sehr liegen die Sympathien trotzdem bei ihm, wenn er versucht sich gegen seinen moralischen Gegenspieler Hadjiavatis, den Prototypen des obrigkeitshörigen Stiefelleckers, und die Handlanger des Sultans durchzusetzen.

In dieser Hinsicht steht Karagiozios in der Tradition der Schelmenfigur und repräsentiert die Auflehnung gegen Bevormundung und Unterdrückung mit einfachen Mitteln, und wir wünschen ihm, dass es ihm nur einziges Mal gelingt, der Obrigkeit ein Schnippchen zu schlagen. Denn nichts würde uns mehr freuen, als dass er den Reichen und Mächtigen eine lange Nase drehte. In dieser Hoffnung ist die Aufgabe  des pikaresken Helden begründet, auch wenn wir bereits wissen, dass er gegen Windmühlen kämpft und zum Scheitern verurteilt ist. Am Ende weicht die hehre Hoffnung der tröstlichen Gewissheit, dass alles bleibt, wie es ist: Wir lachen über den Narren, der an unserer statt scheiterte, beruhigt und bestätigt in unserem Wissen, dass Widerstand unmöglich und nicht mehr als eine sentimentale Vorstellung ist.
Denn nur Narren kämpfen… der Rest von uns akzeptiert die Niederlage als selbsterfüllende Prophezeiung und versteigt sich ob ihrer Erfüllung in spöttisches, unser Gewissen beruhigendes, Gelächter und wartet auf die nächste Vorstellung.

4th August
2013
written by DedalusRoot

zombie-jesus

 

“Du hast was getan?” Ungläubig starrte ich ihn an.
“Ich habe ihn aus dem Reich der Toten in die Welt der Lebenden zurückgeholt.”
Sein Gesicht blieb regungslos und nur ein sanftes Lächeln umspielte seine Lippen.
“Er war also wirklich und wahrhaftig tot?” Ich erinnerte mich, dass Thaddäus auf einer Hochzeit in Kana Unmengen Wein getrunken und schließlich in einen Zustand der Besinnungslosigkeit verfallen war, aus dem ihn keiner von uns zwölf hatte wecken können, bis er plötzlich und scheinbar ohne Grund zwei Tage später wieder putzmunter und quicklebendig erwacht war.
“Weshalb sollte ich Dich anlügen? Du hast die Geschichten über seine Krankheit und seine Bestattung gehört. Er war so tot, wie ein jeder von uns am Ende seines Lebens. Und nun weilt er, wie Du unschwer an seinem lautstarken Gesang erkennen kannst, wieder unter den Lebenden.” Wieder huschte dieses unergründliche Lächeln um seine Lippen. Allem Anschein nach war er sich der Tragweite seiner Worte nicht bewusst, oder er übte sich in der für ihn so typischen Bescheidenheit, die viele von uns ratlos zurückließ und einige, mich eingeschlossen, regelmäßig zur Weißglut trieb.
“Könntest Du es wiederholen? Könntest Du jeden beliebigen Toten auferstehen lassen?
Wieder dieses Lächeln. Heute schien einer dieser Tage zu werden, in denen er mir Lektionen in Unergründlichkeit erteilte.
“Weshalb sollte ich so etwas tun? Die Ruhe der Toten ist verdient. Sie zu stören ist Frevel.”
“Aber Du hast Lazarus auferstehen lassen, oder? Du könntest es wieder tun…”
Sein Lächeln wurde breiter, und er schob sich ein Stück Fladenbrot mit Hommus in den Mund. “Vermutlich könnte ich das. Bedenke jedoch, dass Lazarus keine vier Tage tot war, als ich ihn zurückholte. Er lag in einer kühlen Höhle, geschützt von äußeren Einflüssen, die anfangen unserer sterblichen Hülle zuzusetzen, sobald unsere Seele sie verlässt. Wäre ich einige Tage später angekommen, hätte ich nicht gewagt ihn zurückzuholen.”
Das war typisch für ihn. Ich sprach davon ihn zum Herrn über Leben und Tod zu machen, und er dachte nur an den Toten und sein Wohlergehen.
“Nun vergiss doch einmal den Geruch! Du könntest Familien vereinen, Mütter und Söhne wieder zusammenbringen. Und darüber hinaus dem Tod und den Römern ein Schnippchen schlagen.”
“Ach Bruder… wenn der Geist den Körper erst lange genug verlassen hat, ist der Körper selbst nicht mehr als eine leere Hülle. Der Wiederbelebte wäre nicht länger der vermisste Sohn einer liebenden Mutter, sondern ein leeres, wandelndes Gefäß ohne eigenen Willen und Seele.”
“Umso besser! Du könntest sie Deinem Willen unterwerfen und ihnen befehlen.” Vor meinem geistigen Auge entspann sich eine Szenerie ungeahnter Möglichkeiten: eine Armee lebender Toter, die auf sein Geheiß in die Siedlungen unserer Unterdrücker einfielen, unfähig zu sterben und unaufhaltsam. Eine Legion toter (das passendere Wort wäre wahrscheinlich untoter) Judäer, vereint unter dem Banner des Menschenfischers, ausschließlich seinen Worten folgend, um den Worten endlich Taten folgen zu lassen.
Anscheinend hatte er meine Gedanken erraten, denn wieder blickte er mich mit mitleidigem Blick an: “Judas, mein Freund, allein mein Vater ist Herr über Leben und Tod. Auch ist Unsterblichkeit niemals ein Segen und unsere Zeit auf Erden aus gutem Grund begrenzt.”
“Aber Du besitzt die Fähigkeit Tote auferstehen zu lassen! Sicher würde Dein Vater wollen, dass Du sie für unsere Sache und zum Besten aller… nein, warte, lass mich raten: Unergründlichkeit?” Er lächelte.
“Und wenn der Tod nun Dich ereilte, bevor Dein Werk hier auf Erden vollendet wäre? Würdest Du von den Toten wiederkehren?” In mir reifte ein kühner Entschluss.

2nd August
2013
written by DedalusRoot

Kochlöffel

Es ist bekanntlich einfacher adäquate Partner zum einvernehmlichen Geschlechtsverkehr aufzutreiben, als Menschen zu finden mit denen man kompatibel genug ist, gemeinsam den Kochlöffel zu schwingen. Ein bisschen Ficken können irgendwie alle (zumindest behaupten sie das), die meisten haben es schon einmal praktiziert oder zumindest im Internet gesehen. Was kann da schon schiefgehen? Kochen hingegen will gelernt sein. Es erfordert Erfahrung, Kreativität und Einfühlungsvermögen. Mit einem Ausbeinmesser bewaffneten Menschen den Rücken zuzukehren erfordert darüber hinaus ein unermessliches Maß an Vertrauen, steht hier doch nicht nur die eigene körperliche Unversehrtheit, sondern auch die des zu entbeinenden Rehrückens und somit des ganzen Essens, auf dem Spiel. So kommt es, dass viele, die sich Sex zutrauen, sich (mit Recht!) nicht an die Herausforderung des Kochens heranwagen.
In meinem Fall kommt erschwerend hinzu, dass ich in der Küche um einiges dominanter bin  und weniger Fehler vergebe. Schließlich zählt hier ausschließlich das Ergebnis und die Wahrheit liegt bekanntlich auf dem Teller. (more…)

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