Gekritzel

25th September
2013
written by DedalusRoot

Vor einiger Zeit in einem fernen Land lebte einen Mann, der sich damit brüstete, Pferden die menschliche Sprache beibringen zu können.  Wie im Fall von Gerüchten und unwahrscheinlichen Geschehnissen üblich, verbreitete sich die Kunde über die wundersamen Fähigkeiten des Mannes in Windeseile, bis sie schließlich dem König jenes Landes zu Ohren kam. Dieser ließ den Prahlhans zu sich bringen und befahl ihm unter Androhung der Todesstrafe seine Behauptung zu beweisen. Nach einigem Überlegen stimmte der Mann sschließlich zu, gab jedoch zu bedenken, dass die Kunst Pferden das Sprechen beizubringen eine äußerst diffizile und zeitaufwändige sei. Er bat daher um eine Frist von zwölf Monaten sowie freie Kost und Logis in den luxuriösen Unterkünften des Palastes, während er sich diesem Unterfangen widmete.
Ein guter Freund des Mannes, der von dieser Vereinbarung erfuhr, protestierte lauthals: “Bist du des Wahnsinns? Jetzt magst Du vielleicht in Saus und Braus leben, aber in zwölf Monaten machen sie Dich einen Kopf kürzer!” Der Mann antwortete: “Ach… zwölf Monate sind eine lange Zeit, in der einiges geschehen kann. Vielleicht stirbt der König, vielleicht sterbe ich… wer weiß, vielleicht lernt das Pferd sogar das Sprechen.”

[frei nach Neil Gaiman]
23rd September
2013
written by DedalusRoot

Fight Club

Vier knappe Sitze trennen Granny Goodness und die schwarze Brut von der absoluten Mehrheit. Da fällt es auch dem optimistischsten Vertreter einer sozial verträglichen Politik schwer sich das Ergebnis durch das Scheitern der FDP und den glücklichen Umstand, dass die rechten eurokritischen Spinner Vollidioten Bildungsbürger der AfD es nicht ins Paralament geschafft haben, schön zureden.
Nichtsdestotrotz haben wir eine konservative Rechte, die mit 41,5% das beste Ergebnis seit 1994 eingefahren hat und können darüber hinaus von Glück reden, dass die verbleibenden rechten Betonköpfe sich auf dermaßen viele Splitterparteien verteilen, dass sie an der 5%-Hürde scheitern. Trotzdem scheint das das politische Klima zu sein, dass sich die Mehrheit für die nächsten vier Jahre wünscht: Soziale Kälte, Rechtspopulismus, Homophobie und die Ablehnung jeglicher Form von Gleichstellung scheinen mehrheitsfähig zu sein oder sind den meisten dermaßen egal, dass sie deren Vertretern ihre Stimme leihen.
Wenn das die bürgerliche Mitte ist, bin ich wohl linksradikal. Strange times indeed…

6th August
2013
written by DedalusRoot

Karagiozis

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Kreuzberg @ Mariannenstraße – 28.05.2013

Karagiozis (griechisch Καραγκιόζης, vom türkischen Karagöz) ist eine volkstümliche griechische Schattentheaterfigur (Quelle: Tante Wiki).

Die Tradition des Schattentheater hat ihren Ursprung im Orient und wurde während der Zeit der osmanischen Besatzung von der griechischen Bevölkerung der kleinasiatischen Küste aufgenommen. Sie  hat sich von ihrer Anfangszeit im 19. Jahrhundert bis in die 80er Jahre gehalten, als es im griechischen Fernsehen noch regelmäßig Karagiozis-Sendungen, vergleichbar mit dem Kasperle in Deutschland, gab.

Karagiozis verkörpert den Archetyp des armen und unzureichend gebildeten Griechen zur Zeit des osmanischen Reichs und stellt damit so etwas wie den “Missing Link” zwischen den Helden der Schelmenromane und dem Prekariat der Neuzeit dar. Er wird stets barfuß und mit geflickten Kleidern dargestellt. Darüber hinaus ist er bucklig und hat einen überlangen Arm. Er lebt mit seiner Frau Aglaia und seinen drei Jungen in einer ärmlichen Hütte unweit des Serails.

Wie seine Nachfahren des krisengeschüttelten 21. Jahrhunderts ist Karagiozis über alle Maße faul und seine Interessen bestehen zu großen Teilen aus Essen und Schlafen. Sein Hauptaugenmerk liegt auf seinem eigenen persönlichen Vorteil, und wenn er aus seiner Lethargie erwacht, um etwas zu unternehmen, dann nur um sich selbst auf recht plumpe Art und Weise zu bereichern. Die Versuche scheitern zur Belustigung der Zuschauer meist kläglich, und die wichtigste Lektion, die sich daraus für den Betrachter ergibt: Don’t try!

Natürlich ist Karagiozis ist auch ein Relikt aus der Zeit der osmanischen Besatzung und damit ein Symbol für den Widerstand gegen einen übermächtigen Gegner. So plump seine Versuche sich einen Vorteil zu verschaffen sind und so einfältig er auch wirken mag, so sehr liegen die Sympathien trotzdem bei ihm, wenn er versucht sich gegen seinen moralischen Gegenspieler Hadjiavatis, den Prototypen des obrigkeitshörigen Stiefelleckers, und die Handlanger des Sultans durchzusetzen.

In dieser Hinsicht steht Karagiozios in der Tradition der Schelmenfigur und repräsentiert die Auflehnung gegen Bevormundung und Unterdrückung mit einfachen Mitteln, und wir wünschen ihm, dass es ihm nur einziges Mal gelingt, der Obrigkeit ein Schnippchen zu schlagen. Denn nichts würde uns mehr freuen, als dass er den Reichen und Mächtigen eine lange Nase drehte. In dieser Hoffnung ist die Aufgabe  des pikaresken Helden begründet, auch wenn wir bereits wissen, dass er gegen Windmühlen kämpft und zum Scheitern verurteilt ist. Am Ende weicht die hehre Hoffnung der tröstlichen Gewissheit, dass alles bleibt, wie es ist: Wir lachen über den Narren, der an unserer statt scheiterte, beruhigt und bestätigt in unserem Wissen, dass Widerstand unmöglich und nicht mehr als eine sentimentale Vorstellung ist.
Denn nur Narren kämpfen… der Rest von uns akzeptiert die Niederlage als selbsterfüllende Prophezeiung und versteigt sich ob ihrer Erfüllung in spöttisches, unser Gewissen beruhigendes, Gelächter und wartet auf die nächste Vorstellung.

4th August
2013
written by DedalusRoot

zombie-jesus

 

“Du hast was getan?” Ungläubig starrte ich ihn an.
“Ich habe ihn aus dem Reich der Toten in die Welt der Lebenden zurückgeholt.”
Sein Gesicht blieb regungslos und nur ein sanftes Lächeln umspielte seine Lippen.
“Er war also wirklich und wahrhaftig tot?” Ich erinnerte mich, dass Thaddäus auf einer Hochzeit in Kana Unmengen Wein getrunken und schließlich in einen Zustand der Besinnungslosigkeit verfallen war, aus dem ihn keiner von uns zwölf hatte wecken können, bis er plötzlich und scheinbar ohne Grund zwei Tage später wieder putzmunter und quicklebendig erwacht war.
“Weshalb sollte ich Dich anlügen? Du hast die Geschichten über seine Krankheit und seine Bestattung gehört. Er war so tot, wie ein jeder von uns am Ende seines Lebens. Und nun weilt er, wie Du unschwer an seinem lautstarken Gesang erkennen kannst, wieder unter den Lebenden.” Wieder huschte dieses unergründliche Lächeln um seine Lippen. Allem Anschein nach war er sich der Tragweite seiner Worte nicht bewusst, oder er übte sich in der für ihn so typischen Bescheidenheit, die viele von uns ratlos zurückließ und einige, mich eingeschlossen, regelmäßig zur Weißglut trieb.
“Könntest Du es wiederholen? Könntest Du jeden beliebigen Toten auferstehen lassen?
Wieder dieses Lächeln. Heute schien einer dieser Tage zu werden, in denen er mir Lektionen in Unergründlichkeit erteilte.
“Weshalb sollte ich so etwas tun? Die Ruhe der Toten ist verdient. Sie zu stören ist Frevel.”
“Aber Du hast Lazarus auferstehen lassen, oder? Du könntest es wieder tun…”
Sein Lächeln wurde breiter, und er schob sich ein Stück Fladenbrot mit Hommus in den Mund. “Vermutlich könnte ich das. Bedenke jedoch, dass Lazarus keine vier Tage tot war, als ich ihn zurückholte. Er lag in einer kühlen Höhle, geschützt von äußeren Einflüssen, die anfangen unserer sterblichen Hülle zuzusetzen, sobald unsere Seele sie verlässt. Wäre ich einige Tage später angekommen, hätte ich nicht gewagt ihn zurückzuholen.”
Das war typisch für ihn. Ich sprach davon ihn zum Herrn über Leben und Tod zu machen, und er dachte nur an den Toten und sein Wohlergehen.
“Nun vergiss doch einmal den Geruch! Du könntest Familien vereinen, Mütter und Söhne wieder zusammenbringen. Und darüber hinaus dem Tod und den Römern ein Schnippchen schlagen.”
“Ach Bruder… wenn der Geist den Körper erst lange genug verlassen hat, ist der Körper selbst nicht mehr als eine leere Hülle. Der Wiederbelebte wäre nicht länger der vermisste Sohn einer liebenden Mutter, sondern ein leeres, wandelndes Gefäß ohne eigenen Willen und Seele.”
“Umso besser! Du könntest sie Deinem Willen unterwerfen und ihnen befehlen.” Vor meinem geistigen Auge entspann sich eine Szenerie ungeahnter Möglichkeiten: eine Armee lebender Toter, die auf sein Geheiß in die Siedlungen unserer Unterdrücker einfielen, unfähig zu sterben und unaufhaltsam. Eine Legion toter (das passendere Wort wäre wahrscheinlich untoter) Judäer, vereint unter dem Banner des Menschenfischers, ausschließlich seinen Worten folgend, um den Worten endlich Taten folgen zu lassen.
Anscheinend hatte er meine Gedanken erraten, denn wieder blickte er mich mit mitleidigem Blick an: “Judas, mein Freund, allein mein Vater ist Herr über Leben und Tod. Auch ist Unsterblichkeit niemals ein Segen und unsere Zeit auf Erden aus gutem Grund begrenzt.”
“Aber Du besitzt die Fähigkeit Tote auferstehen zu lassen! Sicher würde Dein Vater wollen, dass Du sie für unsere Sache und zum Besten aller… nein, warte, lass mich raten: Unergründlichkeit?” Er lächelte.
“Und wenn der Tod nun Dich ereilte, bevor Dein Werk hier auf Erden vollendet wäre? Würdest Du von den Toten wiederkehren?” In mir reifte ein kühner Entschluss.

3rd July
2013
written by DedalusRoot

Mittwoch Nacht irgendwo in Neukölln. Ein Mann Mitte fünfzig mit erschöpften Gesichtszügen und abgetragenen Kleidern steht mutterseelenallein und völlig regungslos auf dem Gehweg. Minutenlang zuckt er weder mit der Wimper, noch bewegt er auch nur einen Muskel, sondern steht einfach nur da, die Arme schlaff an seiner Seite herabhängend und starrt mit leeren Augen in die Ferne. Passanten gehen an ihm vorbei, sorgsam darauf bedacht ihn keines Blickes zu würdigen.
Innerhalb der wenigen Schritte, die brauche, bis ich ihm auf Augenhöhe gegenüber stehe,  überlege ich, was diesem Menschen widerfahren sein könnte, der so offensichtlich vom Rand der Gesellschaft gefallen ist, dass ihm niemand auch nur die geringste Beachtung schenkt. Ich stelle mir die Frage, ob ich ihn ansprechen soll, ihn fragen ob alles gut ist, aber irgendetwas hält mich davon ab. Stattdessen danke ich meinem Schicksal, dass ich seines nicht teile und ignoriere ihn, wie all die anderen Passanten, die, ohne ihn eines Blickes zu würdigen, an ihm vorbeilaufen.

So sehr ich in solchen Momenten helfen möchte, so sehr habe ich auch Angst. Angst vor dem was passiert, wenn ich sie anspreche und unsere Welten sich überschneiden, wenn ich mich mit ihr befassen muss. Angst davor, dass der Sog ihrer Existenz mich ergreift und sie mich ebenfalls über den Rand zerren könnte, wenn ich mich nur weit genug in ihre Umlaufbahn traue, statt sie wie eine Litfaßsäule links liegen zu lassen.

Einige Tage später eine ähnliche, wenn auch völlig andere Situation: Ein junges Mädchen Ende zwanzig steigt in die U-Bahn. Sie hat die Kapuze ihres Hoodies tief ins Gesicht gezogen und trotzdem  sehe ich die Tränen, die sich ihren Weg durch die schwarzen Ringe ihres verlaufenen Make-Up bahnen. Die Hände des Mädchens zittern, als sie nach der Haltestange greift und immer wieder schütteln unterdrückte Schluchzer ihren Körper. Ungefähr vier Stationen, das Großstadtequivalent einer kleinen Ewigkeit, denke ich darüber nach sie anzusprechen, sie zu fragen, ob sie Hilfe braucht. Ich denke lange darüber nach, wie diese Form der Aufmerksamkeit auf sie wirkt, ob sie nicht sogar unerwünscht ist, womöglich übergriffig wirkt, bevor ich schließlich, ohne ein Wort zu sagen, aussteige und meinen Weg durch die nächtliche Stadt fortsetze, vorbei an einem Typen, der im nächsten Hauseingang liegt und hofffentlich nur schläft.

Dieses Gefühl überkommt mich oft, wenn ich mich durch die Stadt bewege. Berlin ist nicht Disney Land, auch wenn es an den meisten Samstagabenden den Eindruck erweckt. Irgendwo neben der Jeunesse dorée mit ihrem glitzernden Make-Up und dem aufgesetzt hedonistischen Weltbild, gibt es eine Realität, die eine Handbreit unter der Oberfläche lauert. Ein Schritt in die falsche Richtung, und man steckt knöcheltief im grauen, trüben Morast, den andere ihr Leben nennen. Versteckt wie eine alte Glasscherbe im Kopfsteinpflaster, nie auf den ersten Blick erkennbar und vielleicht keine unmittelbare Gefahr für die körperliche Unversehrtheit, birgt sie zumindest das Potential für Schmerzen und die Gefahr meine kleine Filterblase für einen Moment durchlässig zu machen für das Leben, das außerhalb dieser Blase vorherrscht. Dafür liebe ich diese Stadt, und genau das macht das Leben in ihr an manchen Tagen so unsagbar schwer.

An solchen Tagen stellt sich mir die Frage wie viel Realität und menschliches Schicksal ich in der Lage bin zu ertragen. Wie viele, bis der Schleier meiner selbstgefertigten Illusion endgültig reißt, meine Filter verschlissen und durchlässig werden für alles was um mich herum geschieht, und ich die hässliche Fratze dieser Stadt nicht mehr verdrängen kann, um meine eigene kleine beschauliche Realität erträglich zu machen?

Wie viel Anteilnahme kann ich mir leisten, bevor ich diese Stadt nicht mehr ertrage?

27th June
2013
written by DedalusRoot

“I’m not talking a cup of cheap gin splashed over an ice cube.
I’m talking satin, fire and ice; Fred Astaire in a glass;
surgical cleanliness, insight… comfort; redemption and absolution.
I’m talking Martini.”

Sucht man im Internet nach Zitaten zu diesem vielleicht elegantesten aller Drinks, stellt man ziemlich schnell fest, dass es davon ebenso viele gibt, wie Frank Sinatra Affären oder Dean Martin Martinis hatte. Beinahe jeder Mensch von Welt hat sich zeit seines Lebens zu seinen persönlichen Vorlieben des Martinikonsums geäussert.

Und damit wären wir auch schon beim Kern der Legendenbildung: Wenige Drinks verdanken ihren Ruf und den damit verbundenen Nimbus der unantastbaren Coolness so sehr ihren Trinkern, wie der klassische trockene Martini. Auch ist ein trockener Martini der einzige Drink, den man in der Abgeschiedenheit seines Eigenheims trinken kann, ohne auf Anhieb wie ein Alkoholiker zu wirken.

Bedenkt man, dass dieser Cocktail aus nur zwei Bestandteilen besteht, ist es umso beachtlicher wie viele Zubereitungsweisen und Rezepte (Angefangen natürlich bei Ian Flemings berühmten “Shaken, not stirred”) man findet, und dass allein schon die Wahl der Spirituosen und ihr Mischverhältnis in diesem Fall zur unüberbrückbaren Glaubensfrage wird.

Genau genommen besteht ein trockener Martini (und das ist der einzige, der hier behandelt wird) aus nicht viel mehr als Gin und Wermut in einem ungefähren Verhältnis von 5:1. Allerdings scheiden sich auch hier die Geister, wie “trocken” ein trockener Martini sein muss: Winston Churchill behauptete es reiche sich ein Glas Gin einzuschenken und sich gen Frankreich zu verneigen. Ernest Hemingway bevorzugte den Montgomery mit einem Mischverhältnis vom 15:1, benannt nach Feldmarschall Bernard Montgomery (Deutsche werden sich vielleicht erinnern), der einst sagte der Gin im Glas müsse dem Wermut ebenso zahlenmäßig überlegen sein, wie er dem Gegner auf dem Feld. Andere sagen, es genüge den Gin neben einer Flasche Wermut zu lagern. Besonders lässig (und darum geht es schließlich, denn wir sprechen von Martini und nicht von Dosenbier) machte es Clark Gable im Film Teacher’s Pet, indem er die Wermutflasche einmal umdrehte, damit der Wermut den Korken anfeuchtet, um anschließend mit dem feuchten Korken den Rand des Martiniglases zu benetzen.

Getrunken wird ein Martini “straight” oder “straight up”, also ohne Eis, daher ist ein gekühltes Glas schon mal die halbe Miete. Den Rest entscheidet die Wahl der Spirituosen. Ich vertraue hier auf Hendrick’s Gin und Noilly Prat, der  deutlich aromatischer ist, als das Zeug von Martini & Rossi, dass Fehlgeleitete manchmal sogar pur trinken, in dem Glauben sie tränken Martini. Ob das Ganze im mit Eis gefüllten Shaker nun geschüttelt oder gerührt wird, ist eine weitere Glaubensfrage. Das Rühren ist aber definitiv die zärtlichere Zubereitungsart, die laut Kennern einen sanfteren, geschmeidigeren Drink verspricht. Garniert wird das Ambrosia des gepflegten Trinkers, kaum dass es im Glas gelandet ist, mit einer Zitronenzeste (ja, googelt ihr mal Zeste!) oder mit einer mittelgroßen, grünen Olive mit Stein.

Martinis sollten mit Vorsicht und Besonnenheit  genossen werden, oder um es mit den Worten von Dorothy Parker zu sagen: “I like to have a Martini, two at the very most. After three I’m under the table, After four, I’m under my host.”

29th April
2013
written by DedalusRoot

Und Tschüss!

 

Modiano Market – Thessaloniki

Während der Sommer sich langsam und auf leisen Sohlen an die Hauptstadt ranpirscht, nähert sich auch wieder die Zeit des Jahres, in der in Berlin das alljährliche Klassentreffen des Internets stattfindet. Und während Ihr Euch noch Gedanken macht, welche Eurer Devices Ihr mit in die Hauptstadt nehmt, und wie viele Ersatzakkus Ihr einpacken solltet, mache ich dieses Jahr mal was ganz anderes:  Ick verpiss mich! Jawohl, ich packe meine Sachen und bin raus! Und zwar nach Griechenland, wo am 05. und 05.06. das diesjährige Osterfest (check your Kirchenkalender!) stattfindet und sich die gesamte Familie im Heimatdorf meiner Großeltern trifft, um zarten Milchlämmern dabei zuzuschauen, wie sie sich über Holzkohle gemächlich um die eigene Achse drehen, Seite an Seite mit einem köstlichen Kokoretsi und sicherlich jeder Menge Wein, Tsipouro und Musik! Und während Ihr so vor Euch hin netzwerkt und Johnny Haeusler beim Ukulele spielen zuschaut, werde ich entschleunigen, runterkommen und am Nullpunkt meine Mitte suchen. Ich werde mit meinen Cousins einen trinken gehen und auf Frau Merkel schimpfen, die uns und ganz Europa in den Ruin treibt. Ich werde den Hühnerstall begutachten, den mein Vater im letzten Jahr gebaut hat und mal testen wie gut eigenen Bioeier wirklich sind. Vielleicht werde ich auch durch Thessaloniki spazieren, und es wird mir ein bisschen das Herz brechen die ganzen verkleisterten Schaufenster mit den “Zu Verkaufen!”-Schildern zu sehen. Vor allem aber werden wir völlig unabhängig von globalen Finanzkrisen und all diesen Dingen, die unsere Existenz bedrohen, Ostern feiern, laut, ausgelassen und ohne einen Gedanken an morgen zu verschenken. Vielleicht werden wir auch ein paar Teller zerschmeißen und um die Scherben tanzen, sowas tun Griechen nämlich wirklich. Und auch wenn ich inzwischen mehr Mitteleuropäer bin, als mir lieb ist, gibt es keinen Ort der Welt an dem ich in den nächsten 10 Tagen lieber wäre.

Ich wünsche Euch viel Spaß auf Eurem Klassentreffen!

25th April
2013
written by DedalusRoot

Heute hat mich zum ersten Mal seit anderthalb Jahren die Sachbearbeiterin meiner Hausbank kontaktiert. Scheinbar grundlos rief sie mich an und flötete ins Telefon, wie lange man sich nicht gesehen hätte, und wie schade das doch sei. Sie habe gesehen, dass mein Gehalt noch nicht auf dem Konto sei und die Deckung derzeit nicht für die Lastschrift meines Stromanbieters ausreiche. Etwas irritiert antwortete ich, dass das schon seit Monaten so sei, ich mich inzwischen aber damit abgefunden hätte, dass mein Stromanbieter zu einen etwas ungünstigen Zeitpunkt zum Ende des Monats abbuchen würde. Das sei auch kein Problem, da dieser knapp eine Woche später erneut abbuchte, und ich die Bearbeitungsgebühr hierfür inzwischen in meinen Fixkosten eingeplant hätte, da es anscheinend unmöglich sei, den Zeitpunkt der Lastschrift anzupassen. Das sei doch absolut nicht nötig, antwortete sie. Die Lastschrift würde sie einfach durchgehen lassen, dass Gehalt komme ja schließlich morgen, und dass wäre nun wirklich kein Problem, und sie hätte mich lediglich angerufen, um ich darüber zu informieren.

An dieser Stelle wurde ich stutzig. Zum einen erfolgte diese Rücklastschrift mit steter Regelmäßigkeit und war inzwischen fester Bestandteil meiner Finanzkalkulationen, zum anderen lag der letzte Kontakt zu meiner Bank inzwischen gut anderthalb Jahre zurück und unser Verhältnis war zu diesem Zeitpunkt alles andere als harmonisch und freundschaftlich gewesen. (more…)

21st February
2013
written by DedalusRoot

Django Unchained

 

Dieses Wochenende werde ich mir nun endlich Tarantinos im Vorfeld mehr als hoch gelobten Django Unchained ansehen. Bisher hat mich sowohl der Hype (in meinem Umfeld konnte man beinahe von Hysterie sprechen), als auch die Angst, der Film könnte enttäuschen, davon abgehalten… denn die Vorschusslorbeeren waren wirklich mehr als üppig ausgefallen: “Ein Meisterwerk! Eine Hommage an jeden jemals gedrehten Italo-Western und eine Verneigung vor den Blaxploitation-Filmen der 70er! Gespickt mit Zitaten und cineastischen Querverweisen!” Je euphorischer das Lob in den Feuilletons ausfiel, umso größer wurden meine Hemmungen. War das noch Punkrock? Wollte ich mich als cinephiler Ersatzhipster wirklich in die Untiefen des Mainstreamkinos begeben in denen Tarantino allem Anschein nach angekommen war? Oder nicht doch lieber ein schönes finnisches Filmchen (im Original mit schwedischen Untertiteln, versteht sich!) in einem Programmkino meiner Wahl? Andererseits: Wie sehr kann ein Film, der mit Johnny Cashs (post mortem!) grandios kettenrasselndem „Ain’t no grave“ einsteigt, noch enttäuschen?

Ein guter Freund, dessen cineastischem Urteil ich blind vertraue, hatte den Streifen bereits zum Filmstart gesehen und dem Film einen weiteren Superlativ hinzugefügt: “Riesending!” waren seine Worte. Gemeint war, wie ich im Verlauf der Unterhaltung merkte, allerdings nicht der Film, sondern vielmehr die Unterkörperbestückung des Protagonisten, der “den so ziemlich größten und beeindruckendsten Penis hat, den ich jemals gesehen habe.” Nun ist ein gut gebautes bis opulentes Gemächt für mich kein zwingend ausschlaggebendes Argument für cineastische Güte eines Films, ein tatsächlicher Hinderungsgrund ist es sicherlich nicht, rückt es doch den Film gleich in ein anderes Licht.

Denn so sehr die Erwähnung eines solchen Details den Laien auf den ersten Blick verwundern mag… der geneigte Kenner der Materie (und jeder, der in der Lage ist Google zu bedienen) weiß selbstverständlich, dass Tarantino bereits in “Death Proof” die Geschichte des extrem gut bestückten ehemaligen Sklaven Jody the Grinder erzählen wollte, schlussendlich aber keinen Platz dafür fand, und so ergibt die prominent inszenierte Platzierung eines großen schwarzen Schlongs in seinem neuesten Werk durchaus Sinn. Erinnert man sich an Tarantinos Ausführungen zu “Like A Virgin” in Reservoir Dogs, ist ein gewisser Hang zur Thematik dann beinahe nicht mehr von der Hand zu weisen, auch wenn sie lange nicht so ausgeprägt sein mag, wie sein Fußfetisch. Und letztlich ist Djangos “Shaft” sicher auch als Verneigung vor dem Blaxploitation-Kino der 70er Jahre und als augenzwinkernde Referenz auf die stereotype Virilität des schwarzen Mannes zu verstehen.

Einzig ein Gedanke beunruhigt mich: Was mache ich gesetzt den Fall, dass Jamie Foxx’s Bestückung deutlich weniger beeindruckend ausfällt? Sag’ ich’s meinem Kumpel? 
Allein aus diesem Grund hoffe ich, dass dieser Film wirklich alle Erwartungen erfüllt…

 


Nachtrag: Dieser Text tritt den Beweis an, wie man aus jedem noch so kleinen Detail eines Films mit ein bisschen Phantasie (und der Suchmaschine seiner Wahl) das letzte Quentchen Subtext quetschen kann. Just watch the fucking movie, people!
Und jetzt genug der Schwafelei:

I wanna see a nigger on a horse!

[picture via ~harijz]
31st December
2012
written by DedalusRoot

“And what costume shall the poor girl wear, to all tomorrow’s parties?
A hand-me-down dress from who knows where, to all tomorrow’s parties.

And where will she go and what shall she do, when midnight comes around?
She’ll turn once more to Sunday’s clown and cry behind the door.”

The Velvet Underground – All Tomorrow’s Parties

    Jahreswechsel, der: Willkürlich gewählter Zeitpunkt ab dem alles völlig anders wird, als im Jahr zuvor, und sich wie von Zauberhand Reichtum, Gesundheit und Produktivität einstellen. Traditionell wird der Jahreswechsel gewählt, um Vorsätze zu fassen, die im Verlauf der letzten 365 Tage vernachlässigt wurden. Ähnlich dem Märchen vom Aschenbrödel verwandeln sich diese Vorsätze Schlag Mitternacht (spätestens jedoch einige Tage später) in schale Versprechen, die bis nach dem nächsten Bier oder der nächsten Zigarette warten können, während man Veränderungen zelebriert, die jedes Jahr die Gleichen bleiben.
Der Jahreswechsel ist darüber hinaus ein gern gewählter Zeitpunkt für Trunkenheit, Drama und durch Trunkenheit induziertes Drama. Aus diesem Grund eignet sich die Nacht vor dem Anbruch des neuen Jahres ganz hervorragend für Trennungen, Schlägereien und spontan heitere Besuche in der nächstgelegenen Notaufnahme. Es scheint beinahe als böte sich eine letzte Gelegenheit sich noch in diesem Jahr von allen Lasten zu befreien, um das neue, verheißungsvolle Jahr ohne Tränen, offene Brüche und Lebensgefährten begehen zu können.

Auch wenn es als gebürtiger Pessimist und angelernter Spötter meine Aufgabe ist das Schlimmste zu erwarten und es in den dunkelbuntesten Farben auszumalen, wünsche ich Euch einen wundervoll harmonischen, volltrunkenen und nicht im geringsten dramatischen Jahreswechsel. Mögt von all den möglichen Katastrophen verschont bleiben und mir auch im neuen Jahr weiterhin Gesellschaft leisten. Allein schon, weil ich sonst nichts zu spotten hätte.

Man sieht sich im neuen Jahr!

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    Widerstand

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