Plattensammlung

9th August
2013
written by DedalusRoot

 

Trotz der Tatsache, dass ich in Deutschland aufgewachsen und erst im Alter von 14 Jahren gen Griechenland entwurzelt wurde, um mich dort zumindest geringfügig mediterran sozialisieren zu lassen, werden einige meiner frühesten Kindheitserinnerungen von griechischen Melodien begleitet. In unserer Küche lief eigentlich immer Musik, meist die politisch motivierten linken Lieder von Mikis Theodorakis der 60er und 70er, eng verbunden mit dem Widerstand gegen die Griechische Militärdiktatur, oder alte, melancholische Rembetika, dem griechischen Blues mit Erzählungen von Haschisch-Höhlen und Gefängnissen, gescheiterten Liebschaften und Messerstechereien. Meine Mutter stand mittendrin und summte und sang. Und lange bevor ich auch nur die Hälfte der Texte verstehen oder deren Aussagen erfassen konnte, sang ich mit, weil es nichts gibt, dass Inhalte besser vermittelt als eine Melodie. Sesamstraße lässt grüßen…
Bedingt durch diesen Umstand habe ich nicht nur die unsagbar schiefe Gesangsstimme meiner Mutter geerbt, sondern auch ihre Liebe zur griechischen Musik. Wahrscheinlich lässt sich so auch erklären, weshalb ich, obwohl ich in Deutschland aufgewachsen bin und Deutsch weiterhin die Sprache ist, die ich mit Abstand am Besten beherrsche, nie den gleichen Bezug zu deutschsprachiger Musik wie zu griechischer gefunden habe. Griechische Musik dockt an völlig anderen Synapsen an, die sich wahrscheinlich irgendwo in den tiefsten Tiefen meines kleinen Echsenhirns befinden, und beschert automatisch Sehnsucht und das dauerhafte Gefühl etwas im Auge zu haben. (more…)

25th March
2013
written by DedalusRoot

 

Wenn ehemalige Mitglieder von Mogwai und Electric Wizard sich zusammentun, um Musik zu machen, kann man eigentlich nur davon ausgehen, dass Großes, wenn auch Bizarres, dabei herauskommt. So geschehen bei Crippled Black Phoenix, einer Band, die sich trotz fünf veröffentlichten Studioalben bisher unter meinem musikalischen Radar bewegte. Glücklicherweise gibt es für Musikbanausen wie mich aber den digitalen Flaneur, der abseits seiner Comic- und HipHop-Expertise auch einen sonst ganz passablen Musikgeschmack hat, und der mir die Combo vor einigen Tagen empfohlen hat.

Die Band selbst bezeichnet ihre Songs als “Endtime Ballads”, und auch wenn man anfänglich keine Ahnung hat, was sich hinter diesem Label verbergen könnte, passt die Bezeichnung wie Kinnlade auf Tischplatte. Musikalisch hat die Qualitätsjournaille die Musik der Gruppe in die wohlklingende Schublade ‘Post-Rock/Doom-Folk’ gepackt, wobei Schubladen der Komplexität und Vielschichtigkeit der Musik in nur schwerlich gerecht werden. Gerade der Begriff Post-Rock wirkt beim zweiten Hinhören befremdlich, wabern doch ständig klassische Rockgitarren durch den Hörkanal und wecken Reminiszenzen an Pink Floyd oder Led Zeppelin. Kombiniert mit den Synthesizern, den getragenen Schlagzeugeinsätzen und den präzise platzierten Effekten, entsteht ein Soundgebilde, dass in seiner Klangfarbe und Komplexität perfekt zu den düsteren Frühlingstagen passt und einen durchweg stimmigen Soundtrack für Weltuntergangsfantasien bildet.

 


Nachtrag: Wem das Gehörte gefällt, und wer derzeit eher dunkelbunte musikalische Pfade beschreitet, der wird mit Sicherheit Gefallen am neuesten P.W.A. Mix des digitalen Flaneurs finden, der statt des gewohnten HipHop-Sounds einen wunderbar melancholischen Soundtrack zum Grau dieses Winters fabriziert hat:

Ozma, Please Melt Away That Endless Winter

8th January
2013
written by DedalusRoot

So viele Menschen, die heute Geburtstag haben: Ziggy Stardust, der Thin White Duke und zu guter Letzt der inzwischen 66jährige David Bowie, der den Tag als er vom Himmel fiel zum Anlass nimmt das erste Album in 10 Jahren anzukündigen.

Zum Album gibt es auch prompt die erste Singleauskopplung samt Video, dass musikalisch und optisch eine kleine Hommage an die schönste Stadt der Welt darstellt.

Darüber hinaus verbindet dieses kleine Blog und den etwas größeren Bowie  einer der ersten längeren Texte, den ich im August 2010, quasi im Säuglingsbloggeralter, für Madleners (inzwischen hier) 31 Tage – 31 Platten geschrieben habe.

Eine Platte, die man (angeblich) kennen sollte – die ich aber noch nie gehört habe:

David Bowie – Ziggy Stardust (1972)

Zu den Bekenntnissen eines Musikignoranten geht’s hier entlang

Nachtrag: Die Idee sich regelmäßig mit Meilensteinen der Musikgeschichte auseinander zu setzen, die man nicht kennt oder noch nie gehört hat, ist fast eine eigene Kategorie in der Plattensammlung wert. Die 500 Greatest Albums of All Time des Rolling Stone geben ja noch einiges her und legen ein unwiderlegbares Zeugnis über mein Musikbanausen ab, dass ich im Rahmen dieser Kategorie verbloggen und therapeutisch aufarbeiten könnte…

28th December
2012
written by DedalusRoot

Was in Denton, Texas  passiert ist eigentlich eine ziemlich simple Geschichte:

Die Jungs von Violitionist laden Bands aus Denton (oder solche,  die auf der Durchreise sind) zu einer Session in ihrem Wohnzimmer ein. Das Prinzip ist dabei jedes Mal dasselbe: 3 Fragen an die Künstler, 3 Songs für’s Publikum, kein Schnickschnack, keine Overdubs. Auf diese Weise haben die Violitionist Sessions ein paar wirklich hübsche musikalische Kleinode und Momentaufnahmen gehortet.

Wie in diesem Fall Amanda Palmer und Neil Gaiman, die nicht nur Lana Del Reys “Video Games”, Amanda Palmers “In My Mind”, sondern auch “Psycho” der blinden Country-Legende Leon Payne zum Besten geben. Und allein schon Gaiman mit seinem englischen Zungenschlag singen zu hören, lässt das kleine Nerd-Herz ein wenig höher schlagen.

Die Songs gibt’s hier, das Interview und den kostenlosen Download nach dem Klick.

 

 

 

10th July
2012
written by DedalusRoot

Quelle: Audrian Cassanelli (@aud_k)

Amanda Palmers neues und, wie alle längst wissen, komplett über Kickstarter finanziertes Album Theatre Is Evil steht also in den Startlöchern und wird im September diesen Jahres endlich erscheinen. Ich weiß, das einige von Euch schon Rezensionsexemplare in Händen halten und hasse Euch dafür. Nicht für ungut… Viel wichtiger ist jedoch, dass seit Montag nun auch endlich die Tourdaten für Ms. Palmer (oder Mrs. Gaiman?) und ihre Grand Theft Orchestra feststehen. Und diesmal habe ich mir in weiser Voraussicht den 28. Oktober fett im Kalender markiert, um nicht schon wieder eine Show in Berlin zu verpassen. Kölner sollten sich übrigens den 3. November merken, unsere Freunde im Land des Almdudlers hingegen den 5. November.

Für alle, die genau wie ich kein Rezensionsexemplar des Album bekommen haben, gibt es die ersten zwei Tracks des Albums übrigens als kostenlosen Download.

Und all die, die nicht genug bekommen können, gibt es als zusätzlichen Leckerbissen ein wundervolles Stopmotion-Video zu Want It Back:

 Warnung! Die unzensierte Version des Videos enthält Darstellungen von Ms. Palmer, die nicht für Vorführung in Großraumbüros geeignet sind.

30th April
2012
written by DedalusRoot

Ein bisschen verklärende Revolutionsromantik inklusive dem passenden Soundtrack zum Kampftag der Arbeiterbewegung… Also lasst uns die Fäuste in die Luft recken und uns mit dem Klassenkampf solidarisieren! Oder wir torkeln einfach sturzbetrunken über die Oranienstraße, erfreuen uns an den Fressbuden am Mariannenplatz und machen ein paar schöne Erinnerungsfotos vom Bethanien… wie auch immer: Einen schönen 1. Mai!

 

 

 

 

 

 

28th February
2012
written by DedalusRoot

Am 30. Oktober 2002 war Warren Zevon ein letztes Mal in David Lettermans Late Show zu Gast. Der Songwriter, dem zu diesem Zeitpunkt bereits Krebs im Endstadium diagnostiziert worden war, war an diesem Abend Lettermans einziger Gast und nutzte seinen letzten Auftritt (seinen ersten hatte er 1982) in Lettermans Show, um mit seinem langjährigen Freund und Fan ausgiebig über sein Leben, seine Krankheit und seinen äußerst wahrscheinlichen Tod zu sprechen. Im Interview legt der große Ironiker, der zu verschiedenen Gelegenheiten Paul Shaffer als Bandleader von Lettermans Hausband ersetzt hatte, eine unglaublich rührende Mischung aus Zuversicht und Trotz an den Tag und ist zu jedem Zeitpunkt schlagfertiger als der um einfühlsame Fragen bemühte Letterman. Zevon wirkt äußerst gefasst und witzelt, dass es vielleicht taktisch unklug gewesen sei über zwanzig Jahre keinen Arzt außer seinem Zahnarzt Dr. Stan konsultiert zu haben. Auf Lettermans Frage nach der Diagnose und wie er damit umgehe, antwortet er trocken: “Well, it means you better get your dry cleaning done on special!” Später, als Letterman fragt, inwieweit seine Krankheit ihm neue Erkenntnisse über das Leben und den Tod gegegeben habe, entgegnet Zevon, dass er mehr arbeite und den Wert jeder Minute zu zu schätzen gelernt habe: “You’re constantly reminded to enjoy every sandwich…(more…)

29th September
2011
written by DedalusRoot

Lyrics by Neil Gaiman,  Music by Amanda Palmer

So klingt also Liebeskummer im 21. Jahrhundert, wenn man Neil Gaiman den Text und Amanda Palmer die Musik schreiben lässt…
Und prompt fällt mir wieder ein, warum ich meine “Evil Exes” in allen Social Networks geblockt habe. Pro-Tipp: Es hilft natürlich ungemein, wenn Liebschaften Allerweltsnamen haben…

 

28th June
2011
written by DedalusRoot

Nachdem hier in den letzten Tagen einsame Tumbleweeds durch das Blog wehten, gibt’s heute eine schnelle nachgeschobene Montags-Musikkassette für alternde Cowboys und solche, die es werden wollen. Die alten Helden sind tot und die Zeiten des Goldrauschs längst vergangen. Räuber und Banken haben die Seiten gewechselt, und Wegelagerer tragen neuerdings Uniformen und Anzüge. Grund genug sich ans virtuelle Lagerfeuer zu setzen und sich ein wenig an alten Geschichten über Vagabunden, Outlaws und anderen Haudegen zu ergötzen…

 

Ry Cooder – Billy the Kid

 

Woody Guthrie – Pretty Boy Floyd

 

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14th June
2011
written by DedalusRoot

 

Billie Holiday – Strange Fruit

 

Tracy Chapman – Talkin’ bout a Revolution

 

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