Bei einer einer meiner letzten Wanderungen durch die Niederungen des örtlichen Supermarkts (dem schillernden und pittoresken Kaiser’s am Kotti; nur echt mit Deppenapostroph) fiel mein Blick auf oben ausgestelltes Exponat der Fleischmonstrosität: Ein schockgefrostetes Kalbsschnitzel nach Wiener Art, knusprig umhüllt von 25% österreichischer Semmelbröselpanade (mit Vollei, versteht sich!).
Allein an diesem Punkt stellen sich dem mündigen Konsumenten die ersten Fragen…
Eine meiner ersten wäre beispielsweise: Welcher Teufel der Lebensmittelindustrie hat Euch geritten ein zartes, mageres Kalbsschnitzelchen zu nehmen um es dann bei -18°C schockzufrosten? War das industrielle Schlachten des Tieres nicht schon Erniedrigung genug? Oder handelt es sich hierbei um die Strafe für Kälber, die zu Lebzeiten (viel Zeit hatten sie ja nicht) nicht brav waren? Ich stelle mir vor, wie Mutterkühe ihren Kälbern Gruselgeschichten erzählen: “Wenn Du Dein mit Antibiotika angereichertes Ergänzungsfuttermittel nicht aufisst, kommst Du in den Schockfroster und wirst Prekariatspöbel, der zu dumm zum Panieren ist, zum Fraß vorgeworfen!” Traurigerweise beschreibt diese Schilderung die reale Situation wahrscheinlich besser, als jedem mündigen Konsumenten lieb ist…
Und was genau ist österreichische Panade und worin unterscheidet sie sich zu deutscher? Ist es das original österreichische Vollei? Ein Blick auf die Packungsrückseite enthüllt zwar nicht die Herkunft der Semmelbrösel, dafür aber ein anderes Mysterium der Lebensmittelindustrie, denn sie schickt sich an in Sachen wundersamer Vermehrung mit Jesus gleichzuziehen:
Das bedauernswerte Schnitzel, dass zu 75% aus Kalbsoberschale und zu 25% aus Panade besteht, enthält besorgniserregenderweise nur 94% Kalbfleisch. Dies bezieht sich nicht etwa auf das gesamte Schnitzel, sondern nur auf die oben genannten 75% Kalbsoberschale. Da ich als preisbewusster Karnivore 100% Schnitzel bezahlt habe, interessiert es mich doch, wo die fehlenden, wenn auch bezahlten, 6% verblieben sind. Nun könnte es sich bei besagtem Kalb natürlich um ein hybrides Fabelwesen, ähnlich einem Mantikor oder Greifen handeln, und die restlichen 6% meines Schnitzels finden sich dort in Form von Geflügel oder, Gott behüte, Schwein wieder, oder aber die wundersame Vermehrung der Kalbsoberschale erfolgte ganz schnöde mit Hilfe von Trinkwasser, Speisewürze, jodiertem Speisesalz und Maltodextrin.
Soll heißen: Wer zu doof oder faul ist, sich sein Schnitzel beim Metzger seiner Wahl zu kaufen und selbst zu panieren, muss auch damit rechnen, dass das eigentliche Fleisch mit Wasser gestreckt und mit Geschmacksverstärkern Speisewürze genießbar gemacht wird. Eine absolut gerechte Strafe für Menschen, die der Meinung sind, dass Fleisch in Massen verfügbar und erschwinglich sein müsse.
Ein kleiner Hinweis sei an dieser Stelle noch zum goldenen Gütesiegel “jährlich DLG-prämiert” gestattet: Die DLG ist “eine der vier Spitzenorganisationen der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft” und testet die zu prämierenden Lebensmittel auf ihre “sensorische Qualität”, also Farbe, Aussehen, Konsistenz, Geruch und Geschmack. Über die tatsächlich Qualität der Lebensmittel sagt dies so gut wie nichts aus, solange das fertige Produkt schmeckt und aussieht wie ein Schnitzel. Und das gilt mit den richtigen Zutaten sicher auch für Soylent Green!
Ich für meinen Teil werde mich dieses Jahr endlich dazu durchringen, eine Biokiste zu bestellen, weiterhin versuchen nur Fisch von nachhaltig wirtschaftenden Fischern und Bio-Fischzüchtern zu kaufen und von mit Antibiotika vollgepumptem und mit Wasser gestrecktem Industriefleisch Abstand zu halten wo immer es geht. Weil ich für alles andere einfach zu gerne esse.
Erinnert mich daran, wenn ich das nächste Mal vorm Tiefkühlregal stehe…
Wer Juan Santapaus the secret knots nicht kennt, verpasst ein paar der besten und klügsten Comics, die dieses Netz zu bieten hat. Die Welt, von der Santapaus Geschichten erzählen, scheint unsere zu sein und unterscheidet sich doch in winzigen Nuancen von jener Realität, die wir kennen. Das Surreale starrt dem Leser nicht plump ins Gesicht, sondern streift kaum wahrnehmbar an den ausgefransten Grenzen des Gesichtsfelds umher und tritt meist erst auf den zweiten Blick zu Tage. Während andere Webcomics auf den schnellen Lacher abzielen, legt es the secret knots darauf an Stirnrunzeln und das ein oder andere stille, tiefgründige Lächeln zu beschwören.
Leider ist der Output des Künstlers, wenn auch beständig, doch eher spärlich und unregelmäßig, also am Besten gleich in den Feedreader packen, um trotzdem nichts zu verpassen.
[via Juan Santapau]
So viele Menschen, die heute Geburtstag haben: Ziggy Stardust, der Thin White Duke und zu guter Letzt der inzwischen 66jährige David Bowie, der den Tag als er vom Himmel fiel zum Anlass nimmt das erste Album in 10 Jahren anzukündigen.
Zum Album gibt es auch prompt die erste Singleauskopplung samt Video, dass musikalisch und optisch eine kleine Hommage an die schönste Stadt der Welt darstellt.
Darüber hinaus verbindet dieses kleine Blog und den etwas größeren Bowie einer der ersten längeren Texte, den ich im August 2010, quasi im Säuglingsbloggeralter, für Madleners (inzwischen hier) 31 Tage – 31 Platten geschrieben habe.
Eine Platte, die man (angeblich) kennen sollte – die ich aber noch nie gehört habe:
David Bowie – Ziggy Stardust (1972)
Zu den Bekenntnissen eines Musikignoranten geht’s hier entlang…
Nachtrag: Die Idee sich regelmäßig mit Meilensteinen der Musikgeschichte auseinander zu setzen, die man nicht kennt oder noch nie gehört hat, ist fast eine eigene Kategorie in der Plattensammlung wert. Die 500 Greatest Albums of All Time des Rolling Stone geben ja noch einiges her und legen ein unwiderlegbares Zeugnis über mein Musikbanausen ab, dass ich im Rahmen dieser Kategorie verbloggen und therapeutisch aufarbeiten könnte…

Der gerade mal 16jährige Shinoda hat sich entschieden die Straßen Argentiniens ein bisschen bunter zu gestalten und die kargen Wände seiner Heimatstadt mit Ponies zu verzieren. Normalerweise ist dieses Blog kein Ort für Pony-Content, aber bei Street Art dieser Qualität kann man sicher eine Ausnahme machen. Die komplette Gallerie gibt’s nach dem Klick.
[via The Mary Sue]
“And what costume shall the poor girl wear, to all tomorrow’s parties?
A hand-me-down dress from who knows where, to all tomorrow’s parties.And where will she go and what shall she do, when midnight comes around?
She’ll turn once more to Sunday’s clown and cry behind the door.”The Velvet Underground – All Tomorrow’s Parties
Jahreswechsel, der: Willkürlich gewählter Zeitpunkt ab dem alles völlig anders wird, als im Jahr zuvor, und sich wie von Zauberhand Reichtum, Gesundheit und Produktivität einstellen. Traditionell wird der Jahreswechsel gewählt, um Vorsätze zu fassen, die im Verlauf der letzten 365 Tage vernachlässigt wurden. Ähnlich dem Märchen vom Aschenbrödel verwandeln sich diese Vorsätze Schlag Mitternacht (spätestens jedoch einige Tage später) in schale Versprechen, die bis nach dem nächsten Bier oder der nächsten Zigarette warten können, während man Veränderungen zelebriert, die jedes Jahr die Gleichen bleiben.
Der Jahreswechsel ist darüber hinaus ein gern gewählter Zeitpunkt für Trunkenheit, Drama und durch Trunkenheit induziertes Drama. Aus diesem Grund eignet sich die Nacht vor dem Anbruch des neuen Jahres ganz hervorragend für Trennungen, Schlägereien und spontan heitere Besuche in der nächstgelegenen Notaufnahme. Es scheint beinahe als böte sich eine letzte Gelegenheit sich noch in diesem Jahr von allen Lasten zu befreien, um das neue, verheißungsvolle Jahr ohne Tränen, offene Brüche und Lebensgefährten begehen zu können.
Auch wenn es als gebürtiger Pessimist und angelernter Spötter meine Aufgabe ist das Schlimmste zu erwarten und es in den dunkelbuntesten Farben auszumalen, wünsche ich Euch einen wundervoll harmonischen, volltrunkenen und nicht im geringsten dramatischen Jahreswechsel. Mögt von all den möglichen Katastrophen verschont bleiben und mir auch im neuen Jahr weiterhin Gesellschaft leisten. Allein schon, weil ich sonst nichts zu spotten hätte.
Man sieht sich im neuen Jahr!

Drüben bei Spreeblick hat Johnny Haeusler gestern dazu aufgerufen im neuen Jahr das Web zurückzuerobern. Der alte Mann, der das Kraftfuttermischwerk betreibt, hat sich ihm angeschlossen. Das gleiche gilt für Matthias Richel. Und Lobo, der alte Vorreiter, hatte schon 2012 zum Jahr des Blogs ausgerufen.
Und verdammt, allesamt haben sie recht. Alle naselang blasen wir unseren Content in’s Netz. Bilder von unansehnlich glibbrigen Spiegeleiern und und kitschigen Sonnenuntergängen landen auf Instagram. Die letzte Statusmeldung zum erfolgreich absolvierten Stuhlgang bekommt auf Facebook 23 Likes, und Gedanken, die bei etwas mehr Zeit und Reflektion einen Blogeintrag ergeben hätten, landen in Form von 140 Zeichen auf Twitter. Weil es geht und einfach ist. Weil die “walled-garden communites” des Internets darauf ausgelegt sind das Teilen von Inhalten so schnell und bequem wie möglich zu gestalten. Das ist ihr Sinn und Zweck und ihre einzige Daseinsberechtigung für uns als User. Das Tückische daran ist die damit verbundene, vorprogrammierte Flüchtigkeit dieses Contents. Tweets, die in den ersten 12,46 Minuten (empirische Schätzung) nicht mindestens vier Mal retweetet oder gefavt wurden, verschwinden im Daten-Nirvana. Den Algorithmus zur Anzeige von Meldungen in der Facebook-Timeline ist ungefähr so nachvollziehbar und transparent wie die Rechenschaftsberichte von Silvio Berlusconi und über die Privatsphäreeinstellungen dieser Plattform sollte man am besten Stillschweigen bewahren. Diskussion oder Debatten im Netz zerfasern, weil sie plattformübergreifend auf verschiedenen Plattformen geführt werden und es kaum Möglichkeiten gibt diese zu bündeln. Auch ich habe mir zur diesen Problemen schon diverse Gedanken gemacht, auch wenn ich, wie viele andere auch, nicht immer die Konsequenz hatte diese auch umzusetzen. Aber unterm Strich hat Johnny schlichtweg Recht: Holt Euren Content nach Hause. Publiziert dort, wo die Inhalte Euch gehören. Nutzt die “walled-garden communities” als Distributionskanäle für Eure Inhalte und nicht, um dort Inhalte zu publizieren, die sich Eurer Kontrolle entziehen. Bloggt mehr (der Aufruf geht vor allem an mich)! Kommentiert die Blogposts, die Ihr lest, denn jedes kleine Blog lebt von Feedback, Lob und Kritik. Dann, aber auch erst dann, dürft Ihr den Scheiß auch auf Facebook, Twitter und dem schwarzen Brett Eurer WG teilen oder Eurer Mutter als lustige Powerpoint-Präsentation schicken. Alles klar?
Nachtrag: Natürlich hätte aus diesem Blogpost ein Tweet werden können, vielleicht auch ein einfaches “Lesebefehl”-Statusupdate bei Facebook. Ich habe mich trotz der Tatsache, dass ich beinahe nur das wiederhole, was Johnny und die anderen schon so treffend formuliert haben, dagegen entschieden. Weil nur so Content entsteht, der bleibt. Und weil ich mich dadurch in ein paar Wochen immer noch an meine guten Vorsätze für 2013 erinnern kann und ein schlechtes Gewissen bekomme, wenn ich sie vernachlässige.
[photo via The Untrained Eye]
Was in Denton, Texas passiert ist eigentlich eine ziemlich simple Geschichte:
Die Jungs von Violitionist laden Bands aus Denton (oder solche, die auf der Durchreise sind) zu einer Session in ihrem Wohnzimmer ein. Das Prinzip ist dabei jedes Mal dasselbe: 3 Fragen an die Künstler, 3 Songs für’s Publikum, kein Schnickschnack, keine Overdubs. Auf diese Weise haben die Violitionist Sessions ein paar wirklich hübsche musikalische Kleinode und Momentaufnahmen gehortet.
Wie in diesem Fall Amanda Palmer und Neil Gaiman, die nicht nur Lana Del Reys “Video Games”, Amanda Palmers “In My Mind”, sondern auch “Psycho” der blinden Country-Legende Leon Payne zum Besten geben. Und allein schon Gaiman mit seinem englischen Zungenschlag singen zu hören, lässt das kleine Nerd-Herz ein wenig höher schlagen.
Die Songs gibt’s hier, das Interview und den kostenlosen Download nach dem Klick.
“Constant grinding can turn an iron rod into a needle.”
Remember, kids: This is not a competition!
[via Nerdist]

Jemand hat ein Buch geschrieben und ihm den so wohlklingenden wie charmanten Titel Der Baby-Jesus-Anal-Plug gegeben. Der Autor, Carlton Mellick III, war mir bis vor fünf Minuten gänzlich unbekannt, scheint aber eine einigermaßen anerkannte Größe im Bereich der Bizarro-Fiction zu sein, einem Genre von dem ich bis vor vier Minuten ebenfalls nicht wusste, dass es einen eigenen Namen besitzt. Kein Wunder eigentlich, wenn das Genre noch nicht mal einen deutschen Wikipediaeintrag vorzuweisen hat.
Bizarro scheint als Genre etwas für Leute zu sein, die sich an Horror- uns Splatter-Filmen erfreuen können und denen klassischer Pulp zu Mainstream ist. Die Sorte Mensch, die zum Frühstück die Weekly World News liest und dabei Mondo-Filme guckt. Oder wie es auf der Seite von Carlton Mellick heißt: “Imagine a mixture of David Lynch, Dr. Seuss, South Park, and Troma movies.” Wahrscheinlich hätte man die Literaturgattung auch “kranke, abgefuckte Scheiße” nennen können, wenn diese Bezeichnung in der Regel nicht so negativ konnotiert wäre. Das tatsächlich Amüsante ist, dass es den Baby Jesus Buttplug (NSFW) tatsächlich gibt, und wir uns in unserer WG schon vor Jahren über die Tatsache, dass sich Menschen ein Abbild des Jesuskindes rektal einführen, köstlich amüsiert haben. Wie ich feststellen durfte, wurde das blasphemische Angebot inzwischen um buddhistische und hinduistische Obszönitäten erweitert, allein die schnell beleidigten Religionen scheinen weiterhin zu fehlen. Wer jetzt aber glaubt, dass Mellick es beim Jesuskindlein aus 100% Silikon belässt… leider weit gefehlt.
Wer also wirklich wissen will, wie man diese Absonderlichkeit so ins Bizarre steigert, dass daraus Bizarro wird, darf sich beim Verlag FESTA gerne die Leseprobe ziehen. Ich lese jetzt was mit Blümchen und Einhörnern, um die Bilder wieder aus meinem Kopf zu kriegen…








