Beiträge mit dem Tag "Stories"

25th September
2013
written by DedalusRoot

Vor einiger Zeit in einem fernen Land lebte einen Mann, der sich damit brüstete, Pferden die menschliche Sprache beibringen zu können.  Wie im Fall von Gerüchten und unwahrscheinlichen Geschehnissen üblich, verbreitete sich die Kunde über die wundersamen Fähigkeiten des Mannes in Windeseile, bis sie schließlich dem König jenes Landes zu Ohren kam. Dieser ließ den Prahlhans zu sich bringen und befahl ihm unter Androhung der Todesstrafe seine Behauptung zu beweisen. Nach einigem Überlegen stimmte der Mann sschließlich zu, gab jedoch zu bedenken, dass die Kunst Pferden das Sprechen beizubringen eine äußerst diffizile und zeitaufwändige sei. Er bat daher um eine Frist von zwölf Monaten sowie freie Kost und Logis in den luxuriösen Unterkünften des Palastes, während er sich diesem Unterfangen widmete.
Ein guter Freund des Mannes, der von dieser Vereinbarung erfuhr, protestierte lauthals: “Bist du des Wahnsinns? Jetzt magst Du vielleicht in Saus und Braus leben, aber in zwölf Monaten machen sie Dich einen Kopf kürzer!” Der Mann antwortete: “Ach… zwölf Monate sind eine lange Zeit, in der einiges geschehen kann. Vielleicht stirbt der König, vielleicht sterbe ich… wer weiß, vielleicht lernt das Pferd sogar das Sprechen.”

[frei nach Neil Gaiman]
4th August
2013
written by DedalusRoot

zombie-jesus

 

“Du hast was getan?” Ungläubig starrte ich ihn an.
“Ich habe ihn aus dem Reich der Toten in die Welt der Lebenden zurückgeholt.”
Sein Gesicht blieb regungslos und nur ein sanftes Lächeln umspielte seine Lippen.
“Er war also wirklich und wahrhaftig tot?” Ich erinnerte mich, dass Thaddäus auf einer Hochzeit in Kana Unmengen Wein getrunken und schließlich in einen Zustand der Besinnungslosigkeit verfallen war, aus dem ihn keiner von uns zwölf hatte wecken können, bis er plötzlich und scheinbar ohne Grund zwei Tage später wieder putzmunter und quicklebendig erwacht war.
“Weshalb sollte ich Dich anlügen? Du hast die Geschichten über seine Krankheit und seine Bestattung gehört. Er war so tot, wie ein jeder von uns am Ende seines Lebens. Und nun weilt er, wie Du unschwer an seinem lautstarken Gesang erkennen kannst, wieder unter den Lebenden.” Wieder huschte dieses unergründliche Lächeln um seine Lippen. Allem Anschein nach war er sich der Tragweite seiner Worte nicht bewusst, oder er übte sich in der für ihn so typischen Bescheidenheit, die viele von uns ratlos zurückließ und einige, mich eingeschlossen, regelmäßig zur Weißglut trieb.
“Könntest Du es wiederholen? Könntest Du jeden beliebigen Toten auferstehen lassen?
Wieder dieses Lächeln. Heute schien einer dieser Tage zu werden, in denen er mir Lektionen in Unergründlichkeit erteilte.
“Weshalb sollte ich so etwas tun? Die Ruhe der Toten ist verdient. Sie zu stören ist Frevel.”
“Aber Du hast Lazarus auferstehen lassen, oder? Du könntest es wieder tun…”
Sein Lächeln wurde breiter, und er schob sich ein Stück Fladenbrot mit Hommus in den Mund. “Vermutlich könnte ich das. Bedenke jedoch, dass Lazarus keine vier Tage tot war, als ich ihn zurückholte. Er lag in einer kühlen Höhle, geschützt von äußeren Einflüssen, die anfangen unserer sterblichen Hülle zuzusetzen, sobald unsere Seele sie verlässt. Wäre ich einige Tage später angekommen, hätte ich nicht gewagt ihn zurückzuholen.”
Das war typisch für ihn. Ich sprach davon ihn zum Herrn über Leben und Tod zu machen, und er dachte nur an den Toten und sein Wohlergehen.
“Nun vergiss doch einmal den Geruch! Du könntest Familien vereinen, Mütter und Söhne wieder zusammenbringen. Und darüber hinaus dem Tod und den Römern ein Schnippchen schlagen.”
“Ach Bruder… wenn der Geist den Körper erst lange genug verlassen hat, ist der Körper selbst nicht mehr als eine leere Hülle. Der Wiederbelebte wäre nicht länger der vermisste Sohn einer liebenden Mutter, sondern ein leeres, wandelndes Gefäß ohne eigenen Willen und Seele.”
“Umso besser! Du könntest sie Deinem Willen unterwerfen und ihnen befehlen.” Vor meinem geistigen Auge entspann sich eine Szenerie ungeahnter Möglichkeiten: eine Armee lebender Toter, die auf sein Geheiß in die Siedlungen unserer Unterdrücker einfielen, unfähig zu sterben und unaufhaltsam. Eine Legion toter (das passendere Wort wäre wahrscheinlich untoter) Judäer, vereint unter dem Banner des Menschenfischers, ausschließlich seinen Worten folgend, um den Worten endlich Taten folgen zu lassen.
Anscheinend hatte er meine Gedanken erraten, denn wieder blickte er mich mit mitleidigem Blick an: “Judas, mein Freund, allein mein Vater ist Herr über Leben und Tod. Auch ist Unsterblichkeit niemals ein Segen und unsere Zeit auf Erden aus gutem Grund begrenzt.”
“Aber Du besitzt die Fähigkeit Tote auferstehen zu lassen! Sicher würde Dein Vater wollen, dass Du sie für unsere Sache und zum Besten aller… nein, warte, lass mich raten: Unergründlichkeit?” Er lächelte.
“Und wenn der Tod nun Dich ereilte, bevor Dein Werk hier auf Erden vollendet wäre? Würdest Du von den Toten wiederkehren?” In mir reifte ein kühner Entschluss.

24th October
2011
written by DedalusRoot

 

Die altehrwürdige Tradition des All Hallow’s Read, derzufolge sich Menschen am Vorabend von Allerheiligen gruselige Bücher schenken, findet Ihren Ursprung im keltischen Feiertag Samhain. Dieser Tag markierte das Ende des Sommers sowie das Neujahrfest des keltischen Kalenders und wurde in jenen Zeiten mit rauschenden Festen und Funkenfeuern begangen. Nach keltischem Glauben stand über die Dauer des Festes die Tür zur „Anderswelt”, der Welt der vorübergehend abgeschiedenen Toten, offen, so dass die Ahnen ihren lebenden Verwandten nächtliche Besuche abstatten und ihnen damit Glück bringen konnten. (more…)

24th March
2011
written by DedalusRoot
Stencil by Boxi

Liebe Wissenschaft!

Als unverbesserlicher Träumer und Phantast stelle ich mir mit steter Regelmäßigkeit die folgenden Fragen:

Wie misst man die Entfernung, die zwei Menschen voneinander trennt?
In welcher Maßeinheit wird die Anziehungskraft zwischen Liebenden angegeben?
Und mit welcher Geschwindigkeit bewegt sich Liebe durch den gefühlsleeren Raum?
Wie ermittelt man ihre Halbwertszeit?

(more…)

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23rd February
2011
written by DedalusRoot

… oder: Wärmepilze, wie sie sein sollten.

Der im Volksmund als Wärmepilz bekannte Fungus Motiunculus ist ein hochgiftiger, halluzinogener Pilz aus der Familie der Kahlköpfe (Psilocybe).
Dieser, mit einem Hutdurchmesser von bis zu 60 Zentimetern, größte aller psychoaktiven Pilze verdankt seinen Namen der Tatsache, dass er als Nebeneffekt seiner Sporenproduktion eine angenehme, wohlige Wärme ausstrahlt. (more…)

17th November
2010
written by DedalusRoot

Der mir bis gestern gänzlich unbekannte Lee ‘Budgie’ Barnett hat anlässlich Neil Gaimans Geburtstag eine kleine Geschichte geschrieben, die unbedingt gelesen werden will. Wobei “lesen” wahrscheinlich nicht der richtige Ausdruck ist, aber lest selbst:

budgie-uk.livejournal.com

Wer wssen will, was Gaiman, Autor der Graphic Novel Sandman und solch wundervoller Bücher wie American Gods, Stardust und Coraline, noch alles geschenkt bekam und warum Amanda Palmer sich zu diesem Anlass als Brautstatue verkleidet hat, kann die komplette Story hier, hier und natürlich hier nachlesen…


17th April
2010
written by DedalusRoot

Vor einiger Zeit saß ich mit einer entfernten Bekannten und einigen Freunden in einem Berliner Café beim Brunch. Die Bekannte studierte Ernährungswissenschaften in Wien und war für ein sechsmonatiges Praktikum, dass sich nun langsam dem Ende zuneigte, nach Berlin gekommen. Während wir also Rührei, Waffeln und Pfannkuchen in uns hineinstopften, unterhielten wir uns über die Zeit nach ihrem Praktikum. Es stellte sich heraus, dass sie zunächst einmal ihre Bachelorprüfung absolvieren musste und sich nicht sicher war, ob sie nach Abschluss der Studiums irgendwo einen Job finden würde. (more…)

Warnung!

Widerstand

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