Beiträge mit dem Tag "Berlin"

13th August
2013
written by DedalusRoot

Tentacle Van

Kreuzberg – 19.07.2013

Leider kein Bulli und auch eher quick & dirty mit der Apfelknipse geschossen und mit pixlr aufgehipstert, aber wie schon Getrude Stein wusste: “Ein Squid ist ein Squid ist fast so gut wie Pandababys, Katzen und Faultiere.” Oder so ähnlich.

6th August
2013
written by DedalusRoot

Karagiozis

Kreuzberg @ Mariannenstraße – 28.05.2013

Karagiozis (griechisch Καραγκιόζης, vom türkischen Karagöz) ist eine volkstümliche griechische Schattentheaterfigur (Quelle: Tante Wiki).

Die Tradition des Schattentheater hat ihren Ursprung im Orient und wurde während der Zeit der osmanischen Besatzung von der griechischen Bevölkerung der kleinasiatischen Küste aufgenommen. Sie  hat sich von ihrer Anfangszeit im 19. Jahrhundert bis in die 80er Jahre gehalten, als es im griechischen Fernsehen noch regelmäßig Karagiozis-Sendungen, vergleichbar mit dem Kasperle in Deutschland, gab.

Karagiozis verkörpert den Archetyp des armen und unzureichend gebildeten Griechen zur Zeit des osmanischen Reichs und stellt damit so etwas wie den “Missing Link” zwischen den Helden der Schelmenromane und dem Prekariat der Neuzeit dar. Er wird stets barfuß und mit geflickten Kleidern dargestellt. Darüber hinaus ist er bucklig und hat einen überlangen Arm. Er lebt mit seiner Frau Aglaia und seinen drei Jungen in einer ärmlichen Hütte unweit des Serails.

Wie seine Nachfahren des krisengeschüttelten 21. Jahrhunderts ist Karagiozis über alle Maße faul und seine Interessen bestehen zu großen Teilen aus Essen und Schlafen. Sein Hauptaugenmerk liegt auf seinem eigenen persönlichen Vorteil, und wenn er aus seiner Lethargie erwacht, um etwas zu unternehmen, dann nur um sich selbst auf recht plumpe Art und Weise zu bereichern. Die Versuche scheitern zur Belustigung der Zuschauer meist kläglich, und die wichtigste Lektion, die sich daraus für den Betrachter ergibt: Don’t try!

Natürlich ist Karagiozis ist auch ein Relikt aus der Zeit der osmanischen Besatzung und damit ein Symbol für den Widerstand gegen einen übermächtigen Gegner. So plump seine Versuche sich einen Vorteil zu verschaffen sind und so einfältig er auch wirken mag, so sehr liegen die Sympathien trotzdem bei ihm, wenn er versucht sich gegen seinen moralischen Gegenspieler Hadjiavatis, den Prototypen des obrigkeitshörigen Stiefelleckers, und die Handlanger des Sultans durchzusetzen.

In dieser Hinsicht steht Karagiozios in der Tradition der Schelmenfigur und repräsentiert die Auflehnung gegen Bevormundung und Unterdrückung mit einfachen Mitteln, und wir wünschen ihm, dass es ihm nur einziges Mal gelingt, der Obrigkeit ein Schnippchen zu schlagen. Denn nichts würde uns mehr freuen, als dass er den Reichen und Mächtigen eine lange Nase drehte. In dieser Hoffnung ist die Aufgabe  des pikaresken Helden begründet, auch wenn wir bereits wissen, dass er gegen Windmühlen kämpft und zum Scheitern verurteilt ist. Am Ende weicht die hehre Hoffnung der tröstlichen Gewissheit, dass alles bleibt, wie es ist: Wir lachen über den Narren, der an unserer statt scheiterte, beruhigt und bestätigt in unserem Wissen, dass Widerstand unmöglich und nicht mehr als eine sentimentale Vorstellung ist.
Denn nur Narren kämpfen… der Rest von uns akzeptiert die Niederlage als selbsterfüllende Prophezeiung und versteigt sich ob ihrer Erfüllung in spöttisches, unser Gewissen beruhigendes, Gelächter und wartet auf die nächste Vorstellung.

22nd July
2013
written by DedalusRoot

Plänterwald – 21.07.2013

In den Sommermonaten, wenn die Sonne uns für den finsteren Berliner Winter entschädigt und tatsächlich einmal zwei Wochen am Stück scheint, unternimmt der geneigte Haupststädter  gerne die ein oder andere Landpartie. Meist geht es mit Kind, Kegel und der obligatorischen Badehose raus aus der Stadt und rein in den nächsten See, der Westen gen Wann-, der Osten gen Müggelsee.
Soziophobere Gestalten frequentieren in dieser Zeit die leergefegten Hallenbäder, oder sie versuchen ihr Glück indem sie ein Fleckchen Grün suchen, dass in der Sommerzeit nicht die Bevölkerungsdichte der Tokyoter Innenstadt aufweist.

Obwohl der Plänterwald eigentlich direkt umme Ecke ist, war es dort, bis auf gelegentlich Beats, die von der Rummelsburger Bucht rüberwaberten, angenehm ruhig und unter dem Blätterwald sogar kühl. Etwas abseits des Wegs entdeckt man dann auch das “Eierhäuschen”, dass zu seiner Blütezeit gegen Ende des 19. Jahrhunderts ein beliebtes Berliner Ausflugslokal und unter anderem Schauplatz eines Kapitels  von Theodor Fontanes Roman „Der Stechlin“ war (Tante Wiki), bis es schließlich mehrfach abbrannte. Die erhaltene Ruine ist mehr schlecht als recht mit einem Bauzaun geschützt und für Freunde des idyllischen Verfalls sicher einen Abstecher wert. Auf ein Betreten des maroden Dings habe ich mangels Begleitung und im Interesse meiner körperlichen Unversehrtheit verzichtet, somit gibt es vorerst nur Schnappschüsse der Fassade.

3rd July
2013
written by DedalusRoot

Mittwoch Nacht irgendwo in Neukölln. Ein Mann Mitte fünfzig mit erschöpften Gesichtszügen und abgetragenen Kleidern steht mutterseelenallein und völlig regungslos auf dem Gehweg. Minutenlang zuckt er weder mit der Wimper, noch bewegt er auch nur einen Muskel, sondern steht einfach nur da, die Arme schlaff an seiner Seite herabhängend und starrt mit leeren Augen in die Ferne. Passanten gehen an ihm vorbei, sorgsam darauf bedacht ihn keines Blickes zu würdigen.
Innerhalb der wenigen Schritte, die brauche, bis ich ihm auf Augenhöhe gegenüber stehe,  überlege ich, was diesem Menschen widerfahren sein könnte, der so offensichtlich vom Rand der Gesellschaft gefallen ist, dass ihm niemand auch nur die geringste Beachtung schenkt. Ich stelle mir die Frage, ob ich ihn ansprechen soll, ihn fragen ob alles gut ist, aber irgendetwas hält mich davon ab. Stattdessen danke ich meinem Schicksal, dass ich seines nicht teile und ignoriere ihn, wie all die anderen Passanten, die, ohne ihn eines Blickes zu würdigen, an ihm vorbeilaufen.

So sehr ich in solchen Momenten helfen möchte, so sehr habe ich auch Angst. Angst vor dem was passiert, wenn ich sie anspreche und unsere Welten sich überschneiden, wenn ich mich mit ihr befassen muss. Angst davor, dass der Sog ihrer Existenz mich ergreift und sie mich ebenfalls über den Rand zerren könnte, wenn ich mich nur weit genug in ihre Umlaufbahn traue, statt sie wie eine Litfaßsäule links liegen zu lassen.

Einige Tage später eine ähnliche, wenn auch völlig andere Situation: Ein junges Mädchen Ende zwanzig steigt in die U-Bahn. Sie hat die Kapuze ihres Hoodies tief ins Gesicht gezogen und trotzdem  sehe ich die Tränen, die sich ihren Weg durch die schwarzen Ringe ihres verlaufenen Make-Up bahnen. Die Hände des Mädchens zittern, als sie nach der Haltestange greift und immer wieder schütteln unterdrückte Schluchzer ihren Körper. Ungefähr vier Stationen, das Großstadtequivalent einer kleinen Ewigkeit, denke ich darüber nach sie anzusprechen, sie zu fragen, ob sie Hilfe braucht. Ich denke lange darüber nach, wie diese Form der Aufmerksamkeit auf sie wirkt, ob sie nicht sogar unerwünscht ist, womöglich übergriffig wirkt, bevor ich schließlich, ohne ein Wort zu sagen, aussteige und meinen Weg durch die nächtliche Stadt fortsetze, vorbei an einem Typen, der im nächsten Hauseingang liegt und hofffentlich nur schläft.

Dieses Gefühl überkommt mich oft, wenn ich mich durch die Stadt bewege. Berlin ist nicht Disney Land, auch wenn es an den meisten Samstagabenden den Eindruck erweckt. Irgendwo neben der Jeunesse dorée mit ihrem glitzernden Make-Up und dem aufgesetzt hedonistischen Weltbild, gibt es eine Realität, die eine Handbreit unter der Oberfläche lauert. Ein Schritt in die falsche Richtung, und man steckt knöcheltief im grauen, trüben Morast, den andere ihr Leben nennen. Versteckt wie eine alte Glasscherbe im Kopfsteinpflaster, nie auf den ersten Blick erkennbar und vielleicht keine unmittelbare Gefahr für die körperliche Unversehrtheit, birgt sie zumindest das Potential für Schmerzen und die Gefahr meine kleine Filterblase für einen Moment durchlässig zu machen für das Leben, das außerhalb dieser Blase vorherrscht. Dafür liebe ich diese Stadt, und genau das macht das Leben in ihr an manchen Tagen so unsagbar schwer.

An solchen Tagen stellt sich mir die Frage wie viel Realität und menschliches Schicksal ich in der Lage bin zu ertragen. Wie viele, bis der Schleier meiner selbstgefertigten Illusion endgültig reißt, meine Filter verschlissen und durchlässig werden für alles was um mich herum geschieht, und ich die hässliche Fratze dieser Stadt nicht mehr verdrängen kann, um meine eigene kleine beschauliche Realität erträglich zu machen?

Wie viel Anteilnahme kann ich mir leisten, bevor ich diese Stadt nicht mehr ertrage?

19th June
2013
written by DedalusRoot

Street Art Westhafen

Westhafen – 13.04.2013

Wenn es das hippe Jungvolk inzwischen schon in den Wedding zieht, zieht es die alternden Ersatzhipster in den nächstgelegenen Kiez, in diesem Fall Moabit. Dort, im ehemaligen Arbeiterbezirk, nicht umweit der pittoresken und mit Originalen bestückten Eckkneipe Zur Quelle, wo die Welt noch in Ordnung und der Futschi noch erschwinglich ist, findet sich zwischen Containern und Bauschutt eine weitere Sommersprosse auf der dackelfaltigen Stirn dieser Lieblingsstadt.

28th May
2013
written by DedalusRoot

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Neukölln – 27.04.2013

26th May
2013
written by DedalusRoot

Hinterhöfe @ Panke Wedding – 23.05.2013

Der Wedding ist ja groß im Kommen. Neukölln ist neuerdings zu überlaufen, Kreuzberg taugt eigentlich nur noch als Touristenattraktion und der Prenzlauer Berg wurde nicht erst seit gestern zur Ruhestätte für in Würde gealterte (also Ü30) Akademiker degradiert. Also zieht es das Volk, den Gesetzen der Gentrifizierung und ihrem Herdentrieb folgend, in den nächsten Kiez. Es sprießen Cafés und Kneipen aus dem Boden, analog zu Muschi Kreuzberg wird versucht das Image (Berlin – East Bronx, Wedding!!) zu vermarkten, während man zwangsläufig die gleichen Pfade beschreitet, die man in Kreuzberg und Neukölln naserümpfend als Mainstream abtut. Nichtsdestotrotz hat der Wedding schöne Ecken, wie beispielsweise die Hinterhöfe in denen die Panke ihre Heimat hat oder das Krematorium Wedding ein paar Häuser weiter. Grund genug also doch mal durch den Wedding zu streifen und die Knipse mitzunehmen.

Und nächstes Jahr sehen wir uns dann in Moabit!

15th May
2013
written by DedalusRoot

Lemmings!

Kreuzberg – 29.04.2013

26th April
2013
written by DedalusRoot

So viele Hipster

 

Neukölln – 16.04.2013

Völlig ironiebefreite Ersatzhipster wie meine Wenigkeit müssen sowas natürlich ablichten und ins Netz stellen. Immerhin ist das Bild ohne die Zuhilfenahme von Instaspam entstanden.
Demnächst gibt’s dann wieder Sonnenuntergänge, versprochen!

24th March
2013
written by DedalusRoot

Frühlingsanfang in Neukölln – 24.03.2013

Von Frühling, Wärme und zartem, knospendem Leben ist hier derzeit weit und breit noch nichts zu sehen, und die fortbestehenden Schneemassen bestätigen täglich den Verdacht, dass Frau Holle ein bösartiges Arschloch zu sein scheint. Nichtsdestotrotz schien die Sonne und man entschied sich das Elend zu lindern, indem man es ablichtet. Auf dem Weg ins neuerdings so schicke Neukölln stellte ich fest, dass der Akku meiner Miniknipse tot war. Ich musste also notgedrungen mit dem Hipsterphone Fotos machen, was den nicht unbedeutenden Vorteil hat, dass man unter den hipsterknipsenden Massen nicht weiter auffällt, solange man sein Smartphone nur ironisch genug gegen die Sonne hält. Die Resultate können sich sogar sehen lassen. Zur Belohnung gab es sogar das erste Eis des Jahres!

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Widerstand

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