Beiträge mit dem Tag "Jesus"

4th August
2013
written by DedalusRoot

zombie-jesus

 

“Du hast was getan?” Ungläubig starrte ich ihn an.
“Ich habe ihn aus dem Reich der Toten in die Welt der Lebenden zurückgeholt.”
Sein Gesicht blieb regungslos und nur ein sanftes Lächeln umspielte seine Lippen.
“Er war also wirklich und wahrhaftig tot?” Ich erinnerte mich, dass Thaddäus auf einer Hochzeit in Kana Unmengen Wein getrunken und schließlich in einen Zustand der Besinnungslosigkeit verfallen war, aus dem ihn keiner von uns zwölf hatte wecken können, bis er plötzlich und scheinbar ohne Grund zwei Tage später wieder putzmunter und quicklebendig erwacht war.
“Weshalb sollte ich Dich anlügen? Du hast die Geschichten über seine Krankheit und seine Bestattung gehört. Er war so tot, wie ein jeder von uns am Ende seines Lebens. Und nun weilt er, wie Du unschwer an seinem lautstarken Gesang erkennen kannst, wieder unter den Lebenden.” Wieder huschte dieses unergründliche Lächeln um seine Lippen. Allem Anschein nach war er sich der Tragweite seiner Worte nicht bewusst, oder er übte sich in der für ihn so typischen Bescheidenheit, die viele von uns ratlos zurückließ und einige, mich eingeschlossen, regelmäßig zur Weißglut trieb.
“Könntest Du es wiederholen? Könntest Du jeden beliebigen Toten auferstehen lassen?
Wieder dieses Lächeln. Heute schien einer dieser Tage zu werden, in denen er mir Lektionen in Unergründlichkeit erteilte.
“Weshalb sollte ich so etwas tun? Die Ruhe der Toten ist verdient. Sie zu stören ist Frevel.”
“Aber Du hast Lazarus auferstehen lassen, oder? Du könntest es wieder tun…”
Sein Lächeln wurde breiter, und er schob sich ein Stück Fladenbrot mit Hommus in den Mund. “Vermutlich könnte ich das. Bedenke jedoch, dass Lazarus keine vier Tage tot war, als ich ihn zurückholte. Er lag in einer kühlen Höhle, geschützt von äußeren Einflüssen, die anfangen unserer sterblichen Hülle zuzusetzen, sobald unsere Seele sie verlässt. Wäre ich einige Tage später angekommen, hätte ich nicht gewagt ihn zurückzuholen.”
Das war typisch für ihn. Ich sprach davon ihn zum Herrn über Leben und Tod zu machen, und er dachte nur an den Toten und sein Wohlergehen.
“Nun vergiss doch einmal den Geruch! Du könntest Familien vereinen, Mütter und Söhne wieder zusammenbringen. Und darüber hinaus dem Tod und den Römern ein Schnippchen schlagen.”
“Ach Bruder… wenn der Geist den Körper erst lange genug verlassen hat, ist der Körper selbst nicht mehr als eine leere Hülle. Der Wiederbelebte wäre nicht länger der vermisste Sohn einer liebenden Mutter, sondern ein leeres, wandelndes Gefäß ohne eigenen Willen und Seele.”
“Umso besser! Du könntest sie Deinem Willen unterwerfen und ihnen befehlen.” Vor meinem geistigen Auge entspann sich eine Szenerie ungeahnter Möglichkeiten: eine Armee lebender Toter, die auf sein Geheiß in die Siedlungen unserer Unterdrücker einfielen, unfähig zu sterben und unaufhaltsam. Eine Legion toter (das passendere Wort wäre wahrscheinlich untoter) Judäer, vereint unter dem Banner des Menschenfischers, ausschließlich seinen Worten folgend, um den Worten endlich Taten folgen zu lassen.
Anscheinend hatte er meine Gedanken erraten, denn wieder blickte er mich mit mitleidigem Blick an: “Judas, mein Freund, allein mein Vater ist Herr über Leben und Tod. Auch ist Unsterblichkeit niemals ein Segen und unsere Zeit auf Erden aus gutem Grund begrenzt.”
“Aber Du besitzt die Fähigkeit Tote auferstehen zu lassen! Sicher würde Dein Vater wollen, dass Du sie für unsere Sache und zum Besten aller… nein, warte, lass mich raten: Unergründlichkeit?” Er lächelte.
“Und wenn der Tod nun Dich ereilte, bevor Dein Werk hier auf Erden vollendet wäre? Würdest Du von den Toten wiederkehren?” In mir reifte ein kühner Entschluss.

Warnung!

Widerstand

l