Beiträge mit dem Tag "Martini"

27th June
2013
written by DedalusRoot

“I’m not talking a cup of cheap gin splashed over an ice cube.
I’m talking satin, fire and ice; Fred Astaire in a glass;
surgical cleanliness, insight… comfort; redemption and absolution.
I’m talking Martini.”

Sucht man im Internet nach Zitaten zu diesem vielleicht elegantesten aller Drinks, stellt man ziemlich schnell fest, dass es davon ebenso viele gibt, wie Frank Sinatra Affären oder Dean Martin Martinis hatte. Beinahe jeder Mensch von Welt hat sich zeit seines Lebens zu seinen persönlichen Vorlieben des Martinikonsums geäussert.

Und damit wären wir auch schon beim Kern der Legendenbildung: Wenige Drinks verdanken ihren Ruf und den damit verbundenen Nimbus der unantastbaren Coolness so sehr ihren Trinkern, wie der klassische trockene Martini. Auch ist ein trockener Martini der einzige Drink, den man in der Abgeschiedenheit seines Eigenheims trinken kann, ohne auf Anhieb wie ein Alkoholiker zu wirken.

Bedenkt man, dass dieser Cocktail aus nur zwei Bestandteilen besteht, ist es umso beachtlicher wie viele Zubereitungsweisen und Rezepte (Angefangen natürlich bei Ian Flemings berühmten “Shaken, not stirred”) man findet, und dass allein schon die Wahl der Spirituosen und ihr Mischverhältnis in diesem Fall zur unüberbrückbaren Glaubensfrage wird.

Genau genommen besteht ein trockener Martini (und das ist der einzige, der hier behandelt wird) aus nicht viel mehr als Gin und Wermut in einem ungefähren Verhältnis von 5:1. Allerdings scheiden sich auch hier die Geister, wie “trocken” ein trockener Martini sein muss: Winston Churchill behauptete es reiche sich ein Glas Gin einzuschenken und sich gen Frankreich zu verneigen. Ernest Hemingway bevorzugte den Montgomery mit einem Mischverhältnis vom 15:1, benannt nach Feldmarschall Bernard Montgomery (Deutsche werden sich vielleicht erinnern), der einst sagte der Gin im Glas müsse dem Wermut ebenso zahlenmäßig überlegen sein, wie er dem Gegner auf dem Feld. Andere sagen, es genüge den Gin neben einer Flasche Wermut zu lagern. Besonders lässig (und darum geht es schließlich, denn wir sprechen von Martini und nicht von Dosenbier) machte es Clark Gable im Film Teacher’s Pet, indem er die Wermutflasche einmal umdrehte, damit der Wermut den Korken anfeuchtet, um anschließend mit dem feuchten Korken den Rand des Martiniglases zu benetzen.

Getrunken wird ein Martini “straight” oder “straight up”, also ohne Eis, daher ist ein gekühltes Glas schon mal die halbe Miete. Den Rest entscheidet die Wahl der Spirituosen. Ich vertraue hier auf Hendrick’s Gin und Noilly Prat, der  deutlich aromatischer ist, als das Zeug von Martini & Rossi, dass Fehlgeleitete manchmal sogar pur trinken, in dem Glauben sie tränken Martini. Ob das Ganze im mit Eis gefüllten Shaker nun geschüttelt oder gerührt wird, ist eine weitere Glaubensfrage. Das Rühren ist aber definitiv die zärtlichere Zubereitungsart, die laut Kennern einen sanfteren, geschmeidigeren Drink verspricht. Garniert wird das Ambrosia des gepflegten Trinkers, kaum dass es im Glas gelandet ist, mit einer Zitronenzeste (ja, googelt ihr mal Zeste!) oder mit einer mittelgroßen, grünen Olive mit Stein.

Martinis sollten mit Vorsicht und Besonnenheit  genossen werden, oder um es mit den Worten von Dorothy Parker zu sagen: “I like to have a Martini, two at the very most. After three I’m under the table, After four, I’m under my host.”

Warnung!

Widerstand

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