
Modiano Market – Thessaloniki
Während der Sommer sich langsam und auf leisen Sohlen an die Hauptstadt ranpirscht, nähert sich auch wieder die Zeit des Jahres, in der in Berlin das alljährliche Klassentreffen des Internets stattfindet. Und während Ihr Euch noch Gedanken macht, welche Eurer Devices Ihr mit in die Hauptstadt nehmt, und wie viele Ersatzakkus Ihr einpacken solltet, mache ich dieses Jahr mal was ganz anderes: Ick verpiss mich! Jawohl, ich packe meine Sachen und bin raus! Und zwar nach Griechenland, wo am 05. und 05.06. das diesjährige Osterfest (check your Kirchenkalender!) stattfindet und sich die gesamte Familie im Heimatdorf meiner Großeltern trifft, um zarten Milchlämmern dabei zuzuschauen, wie sie sich über Holzkohle gemächlich um die eigene Achse drehen, Seite an Seite mit einem köstlichen Kokoretsi und sicherlich jeder Menge Wein, Tsipouro und Musik! Und während Ihr so vor Euch hin netzwerkt und Johnny Haeusler beim Ukulele spielen zuschaut, werde ich entschleunigen, runterkommen und am Nullpunkt meine Mitte suchen. Ich werde mit meinen Cousins einen trinken gehen und auf Frau Merkel schimpfen, die uns und ganz Europa in den Ruin treibt. Ich werde den Hühnerstall begutachten, den mein Vater im letzten Jahr gebaut hat und mal testen wie gut eigenen Bioeier wirklich sind. Vielleicht werde ich auch durch Thessaloniki spazieren, und es wird mir ein bisschen das Herz brechen die ganzen verkleisterten Schaufenster mit den “Zu Verkaufen!”-Schildern zu sehen. Vor allem aber werden wir völlig unabhängig von globalen Finanzkrisen und all diesen Dingen, die unsere Existenz bedrohen, Ostern feiern, laut, ausgelassen und ohne einen Gedanken an morgen zu verschenken. Vielleicht werden wir auch ein paar Teller zerschmeißen und um die Scherben tanzen, sowas tun Griechen nämlich wirklich. Und auch wenn ich inzwischen mehr Mitteleuropäer bin, als mir lieb ist, gibt es keinen Ort der Welt an dem ich in den nächsten 10 Tagen lieber wäre.
Ich wünsche Euch viel Spaß auf Eurem Klassentreffen!
Neukölln – 16.04.2013
Völlig ironiebefreite Ersatzhipster wie meine Wenigkeit müssen sowas natürlich ablichten und ins Netz stellen. Immerhin ist das Bild ohne die Zuhilfenahme von Instaspam entstanden.
Demnächst gibt’s dann wieder Sonnenuntergänge, versprochen!
Heute hat mich zum ersten Mal seit anderthalb Jahren die Sachbearbeiterin meiner Hausbank kontaktiert. Scheinbar grundlos rief sie mich an und flötete ins Telefon, wie lange man sich nicht gesehen hätte, und wie schade das doch sei. Sie habe gesehen, dass mein Gehalt noch nicht auf dem Konto sei und die Deckung derzeit nicht für die Lastschrift meines Stromanbieters ausreiche. Etwas irritiert antwortete ich, dass das schon seit Monaten so sei, ich mich inzwischen aber damit abgefunden hätte, dass mein Stromanbieter zu einen etwas ungünstigen Zeitpunkt zum Ende des Monats abbuchen würde. Das sei auch kein Problem, da dieser knapp eine Woche später erneut abbuchte, und ich die Bearbeitungsgebühr hierfür inzwischen in meinen Fixkosten eingeplant hätte, da es anscheinend unmöglich sei, den Zeitpunkt der Lastschrift anzupassen. Das sei doch absolut nicht nötig, antwortete sie. Die Lastschrift würde sie einfach durchgehen lassen, dass Gehalt komme ja schließlich morgen, und dass wäre nun wirklich kein Problem, und sie hätte mich lediglich angerufen, um ich darüber zu informieren.
An dieser Stelle wurde ich stutzig. Zum einen erfolgte diese Rücklastschrift mit steter Regelmäßigkeit und war inzwischen fester Bestandteil meiner Finanzkalkulationen, zum anderen lag der letzte Kontakt zu meiner Bank inzwischen gut anderthalb Jahre zurück und unser Verhältnis war zu diesem Zeitpunkt alles andere als harmonisch und freundschaftlich gewesen. (more…)
Wenn ehemalige Mitglieder von Mogwai und Electric Wizard sich zusammentun, um Musik zu machen, kann man eigentlich nur davon ausgehen, dass Großes, wenn auch Bizarres, dabei herauskommt. So geschehen bei Crippled Black Phoenix, einer Band, die sich trotz fünf veröffentlichten Studioalben bisher unter meinem musikalischen Radar bewegte. Glücklicherweise gibt es für Musikbanausen wie mich aber den digitalen Flaneur, der abseits seiner Comic- und HipHop-Expertise auch einen sonst ganz passablen Musikgeschmack hat, und der mir die Combo vor einigen Tagen empfohlen hat.
Die Band selbst bezeichnet ihre Songs als “Endtime Ballads”, und auch wenn man anfänglich keine Ahnung hat, was sich hinter diesem Label verbergen könnte, passt die Bezeichnung wie Kinnlade auf Tischplatte. Musikalisch hat die Qualitätsjournaille die Musik der Gruppe in die wohlklingende Schublade ‘Post-Rock/Doom-Folk’ gepackt, wobei Schubladen der Komplexität und Vielschichtigkeit der Musik in nur schwerlich gerecht werden. Gerade der Begriff Post-Rock wirkt beim zweiten Hinhören befremdlich, wabern doch ständig klassische Rockgitarren durch den Hörkanal und wecken Reminiszenzen an Pink Floyd oder Led Zeppelin. Kombiniert mit den Synthesizern, den getragenen Schlagzeugeinsätzen und den präzise platzierten Effekten, entsteht ein Soundgebilde, dass in seiner Klangfarbe und Komplexität perfekt zu den düsteren Frühlingstagen passt und einen durchweg stimmigen Soundtrack für Weltuntergangsfantasien bildet.
Nachtrag: Wem das Gehörte gefällt, und wer derzeit eher dunkelbunte musikalische Pfade beschreitet, der wird mit Sicherheit Gefallen am neuesten P.W.A. Mix des digitalen Flaneurs finden, der statt des gewohnten HipHop-Sounds einen wunderbar melancholischen Soundtrack zum Grau dieses Winters fabriziert hat:
Frühlingsanfang in Neukölln – 24.03.2013
Von Frühling, Wärme und zartem, knospendem Leben ist hier derzeit weit und breit noch nichts zu sehen, und die fortbestehenden Schneemassen bestätigen täglich den Verdacht, dass Frau Holle ein bösartiges Arschloch zu sein scheint. Nichtsdestotrotz schien die Sonne und man entschied sich das Elend zu lindern, indem man es ablichtet. Auf dem Weg ins neuerdings so schicke Neukölln stellte ich fest, dass der Akku meiner Miniknipse tot war. Ich musste also notgedrungen mit dem Hipsterphone Fotos machen, was den nicht unbedeutenden Vorteil hat, dass man unter den hipsterknipsenden Massen nicht weiter auffällt, solange man sein Smartphone nur ironisch genug gegen die Sonne hält. Die Resultate können sich sogar sehen lassen. Zur Belohnung gab es sogar das erste Eis des Jahres!
So sehr ich schöne Bilder mag und ab und an sogar selbst versuche welche zu schießen, so selten will es mir gelingen mein Gesicht so vor eine Linse zu halten, dass das Resultat nicht debil, dilettantisch oder schlimmer noch, gestellt wirkt. Es gibt Menschen, denen die Eigenschaft inne wohnt jederzeit und auf jeden Foto authentisch, cool und lässig rüber zu kommen. Ich gehöre nicht dazu. Wann immer auf einer Party diese Type, deren Aufgabe nur darin zu bestehen scheint die Party und den fortschreitenden Verfall ihrer Teilnehmer zu dokumentieren, Schnappschüsse macht, kann man sicher sein, dass ich die Augen geschlossen, den Mund geöffnet und die Körperhaltung eines Fragezeichens habe.
Vor ein paar Wochen schließlich hat sich die bezaubernde und mehr als talentierte Annett Glöckner, der ich bisher nur unfreiwillig vor’s Objektiv gelaufen bin, meiner erbarmt und sich an meiner Charakternase und meiner Unfähigkeit zu Lächeln versucht. Es war schweinekalt, was mein Auftauen nicht sonderlich erleichtert hat, aber dank Annetts Geduld kamen im Verlauf von zwei Stunden doch ein paar mehr als taugliche Bilder raus. Chapeau!
[Photos by Annett Glöckner: Website / Facebook]
Eigentlich bin ich kein allzu großer Fan von Cosplay. Das liegt wahrscheinlich daran, dass mir der Bezug zu der zugrundeliegenden Subkulturen fehlt, obwohl ich ein großer Fan von Animes, Mangas und vor allem japanischer Videospiele bin. Aber diese feminine Interpretation von Kon-El (aka Superboy aus DC’s Young Justice Comics) gefällt selbst mir als Banausen verdammt gut. Wahrscheinlich weil die für mich Cosplay-typischen Farben Pink und Türkis nonexistenz sind und die Geschmacksrichtung dieses Cosplay deutlich eher in Richtung herb statt überzuckert geht. Die junge Dame erweckt den Eindruck, als würde sie meinen Arsch bis nach Krypton und zurück treten, wenn ich ihr dumm komme.
Erschaffen wurde Kon-Elle von Glasmond, die sich für Design und Biografie der Figur verantwortlich zeichnet. Verkörpert wird Kon-Elle von ihrer Freundin Schpog.
Nachtrag: Wer auf Cosplay in allen Farben des Regenbogens steht, sollte sich auf jeden Fall auch die Bilder des “My Little Pony”-Cosplay (zu finden auf Glasmonds Tumblr) anschauen, dass die beiden mit MissCherry beim Brony Meetup in München in Szene gesetzt haben. So wenig Pony-Content auch mein Fall ist, die Umsetzung ist wirklich schnieke.
[Photos: Glasmond ; Modell: Schpog ]

Dieses Wochenende werde ich mir nun endlich Tarantinos im Vorfeld mehr als hoch gelobten Django Unchained ansehen. Bisher hat mich sowohl der Hype (in meinem Umfeld konnte man beinahe von Hysterie sprechen), als auch die Angst, der Film könnte enttäuschen, davon abgehalten… denn die Vorschusslorbeeren waren wirklich mehr als üppig ausgefallen: “Ein Meisterwerk! Eine Hommage an jeden jemals gedrehten Italo-Western und eine Verneigung vor den Blaxploitation-Filmen der 70er! Gespickt mit Zitaten und cineastischen Querverweisen!” Je euphorischer das Lob in den Feuilletons ausfiel, umso größer wurden meine Hemmungen. War das noch Punkrock? Wollte ich mich als cinephiler Ersatzhipster wirklich in die Untiefen des Mainstreamkinos begeben in denen Tarantino allem Anschein nach angekommen war? Oder nicht doch lieber ein schönes finnisches Filmchen (im Original mit schwedischen Untertiteln, versteht sich!) in einem Programmkino meiner Wahl? Andererseits: Wie sehr kann ein Film, der mit Johnny Cashs (post mortem!) grandios kettenrasselndem „Ain’t no grave“ einsteigt, noch enttäuschen?
Ein guter Freund, dessen cineastischem Urteil ich blind vertraue, hatte den Streifen bereits zum Filmstart gesehen und dem Film einen weiteren Superlativ hinzugefügt: “Riesending!” waren seine Worte. Gemeint war, wie ich im Verlauf der Unterhaltung merkte, allerdings nicht der Film, sondern vielmehr die Unterkörperbestückung des Protagonisten, der “den so ziemlich größten und beeindruckendsten Penis hat, den ich jemals gesehen habe.” Nun ist ein gut gebautes bis opulentes Gemächt für mich kein zwingend ausschlaggebendes Argument für cineastische Güte eines Films, ein tatsächlicher Hinderungsgrund ist es sicherlich nicht, rückt es doch den Film gleich in ein anderes Licht.
Denn so sehr die Erwähnung eines solchen Details den Laien auf den ersten Blick verwundern mag… der geneigte Kenner der Materie (und jeder, der in der Lage ist Google zu bedienen) weiß selbstverständlich, dass Tarantino bereits in “Death Proof” die Geschichte des extrem gut bestückten ehemaligen Sklaven Jody the Grinder erzählen wollte, schlussendlich aber keinen Platz dafür fand, und so ergibt die prominent inszenierte Platzierung eines großen schwarzen Schlongs in seinem neuesten Werk durchaus Sinn. Erinnert man sich an Tarantinos Ausführungen zu “Like A Virgin” in Reservoir Dogs, ist ein gewisser Hang zur Thematik dann beinahe nicht mehr von der Hand zu weisen, auch wenn sie lange nicht so ausgeprägt sein mag, wie sein Fußfetisch. Und letztlich ist Djangos “Shaft” sicher auch als Verneigung vor dem Blaxploitation-Kino der 70er Jahre und als augenzwinkernde Referenz auf die stereotype Virilität des schwarzen Mannes zu verstehen.
Einzig ein Gedanke beunruhigt mich: Was mache ich gesetzt den Fall, dass Jamie Foxx’s Bestückung deutlich weniger beeindruckend ausfällt? Sag’ ich’s meinem Kumpel?
Allein aus diesem Grund hoffe ich, dass dieser Film wirklich alle Erwartungen erfüllt…
Nachtrag: Dieser Text tritt den Beweis an, wie man aus jedem noch so kleinen Detail eines Films mit ein bisschen Phantasie (und der Suchmaschine seiner Wahl) das letzte Quentchen Subtext quetschen kann. Just watch the fucking movie, people!
Und jetzt genug der Schwafelei:
I wanna see a nigger on a horse!
[picture via ~harijz]
Awesome spinach and ricotta cannelloni
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Im Fernsehen gibt es ja bekanntlich nichts, was nicht gibt. Ekel erregendes, Fremdscham bereitendes und jede Menge Seichtes. Diesem Gesetz das Unmögliche möglich zu machen folgend, gibt es im Fernsehen auch diesen Engländer, der kocht. Er tut das erstaunlich gut und vor allem mit einer Leidenschaft und in einer Art, wie junge, coole Menschen sich junges, cooles Kochen vorstellen. Wenn der Engländer kocht, dann stieben die Erikative nur so durch seine durchdesignte Showküche, dass es eine wahre Freude ist. Jeder Handgriff wirkt irgendwie lässig und improvisiert; eine Coolness, die man sich nur leisten kann, wenn man ein Handwerk wirklich beherrscht.
Auch ich mag den Engländer aus eben diesen Gründen und habe mir das ein oder andere Rezept bei ihm abgeschaut. Das an dieser Stelle abzutippen wäre allerdings mehr als albern, denn schließlich steht schon alles im Internet, so auch das Rezept für die “awesome spinach and ricotta cannelloni”, die sich übrigens ganz hervorragend in eine Lasagne transformieren lassen. Der Vorteil: Kein lästiges Hantieren mit dem Spritzbeutel. Der Nachteil: Der Spaßfaktor beim Hantieren mit dem Spritzbeutel entfällt. Ich für meinen Teil ersetze einen Teil Ricotta durch Ziegenfrischkäse, weil ich Ricotta allein ein bisschen dröge finde. Der Engländer macht übrigens keine Béchamel, sondern verdünnt ganz lässig Crème fraîche mit etwas Wasser und würzt noch noch etwas aus dem Handgelenk nach. Er darf das, der Engländer.
Wir heute ausnahmsweise auch.






